Mitten im Dilemma

 

Klimaschutz. Einen ungünstigeren Zeitpunkt gibt es für Schweine- und Milchviehhalter wohl kaum, um neue, kostenintensive Umweltmaßnahmen umzusetzen. Trotzdem könnte bald eine weitere Forderung auf Sie zukommen: Das Europaparlament möchte die Vorschriften für die Luftreinhaltung in der EU verschärfen. Derzeit liegt ein Entwurf für eine Neufassung der sogenannten NECRichtlinie mit festen Reduktionszielen für landwirtschaftliche Ammoniak und Methanemissionen vor. Als besonders heiklen Punkt sieht er für Deutschland eine Verminderung der Ammoniakemissionen um 39 % bis zum Jahr 2030 vor, gemessen am Vergleichsjahr 2005.
Natürlich muss die Landwirtschaft einen Beitrag leisten zur Verringerung der Luftschadstoffe und zum Klimaschutz. Es gibt auch für die Tierhalter unmittelbar umsetzbare Ansatzstellen, die Ammoniakemissionen zu reduzieren. Die breitflächige Ausbringung von Gülle – den Prallteller – muss es nirgendwo mehr geben. Es ist auch nicht prinzipiell unzumutbar, Wirtschaftsdünger direkt einarbeiten zu müssen. Auch bei der Fütterung ist sicher noch nicht der letzte Stickstoff eingespart. Und über eine Abdeckung des Güllelagers lässt sich in vielen Fällen ebenfalls reden.
Das Problem dabei sind gar nicht die auch hier vorhandenen Kosten oder die Tatsache, dass diese kleinere Betriebe überfordern könnten. Aber diese Maßnahmen allein erreichen eben bei Weitem nicht die vorgeschlagene erhebliche  Ammoniakreduktion. Und spätestens die teure Abluftreinigung, erst recht nachgerüstet, sprengt endgültig den Rahmen des Machbaren. Die Tierhalter können das schlicht und einfach nicht bezahlen.
Das ist das klassische Dilemma bei steigenden Tier- und Umweltschutzforderungen: Produktpreiserhöhungen sind bekanntlich nicht möglich. Eine höhere Zahlungsbereitschaft beim Fleischeinkauf kommt vor allem in frommen Wünschen und strammen Behauptungen vor – und schon gar nicht bei Exportkunden.
Bliebe eine öffentliche Finanzierung. Zwar schlägt das EU-Parlament für die Umsetzung der NEC-Richtlinie vor, die Gemeinschaft solle mit Fördermitteln »unterstützend eingreifen«. Aber man darf skeptisch sein, was dabei herauskommt. Denn die nötige Summe, die allen Schweinehaltern eine Ablufttechnik finanziert, gibt kein EU-Agrarhaushalt her.
Wir würden gern einen konstruktiveren Vorschlag liefern, um die berechtigten Klimaschutzziele in vollem Umfang zu erreichen. Aber ehrlich: Da fällt uns nichts mehr ein. Auf jeden Fall ist es keine gute  Lösung, eine Quote einzuführen, die auf dem Papier zwar gut aussieht, von der man aber schon im Vorfeld weiß, dass sie nicht zu erreichen ist.

 

Lisa Langbehn