Lieber eine starke Behauptung ...

 

Bestandsobergrenzen. Für viele in der Politik gehört das Verteufeln »großer Tierhaltungen« zum guten Ton. Es werden immer wieder Bestandsobergrenzen ins Spiel gebracht. Wie stichhaltig die Begründungen dafür sind, ist ziemlich egal. Zuletzt vermeldete der Agrarausschussdes Landtages Mecklenburg- Vorpommern, es bestehe parteiübergreifend Einigkeit über die Einführung

von Obergrenzen. Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen, Ursula Karlowski,

schlägt eine Bundesratsinitiative vor: Obergrenzen in Nutztierställen seien unabdingbar, »weil Großanlagen zu einer nicht tiergemäßen Haltung führten« – aha! Auch gebe es dort zu

wenig Personal zur Betreuung der Tiere. Großanlagen seien zudem Quellen für umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe wie multiresistente Erreger. Man kann das ja alles mal so

in den Raum stellen, belegen muss es keiner und man hat eine einfache Lösung. Partei- und länderübergreifend. Zum Beispiel auch Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Hermann

Onko Aeikens (CDU) sieht einen Zusammenhang zwischen Bestandsgröße und Tierschutzniveau. Offen ist auch hier die Frage: Wo nimmt er die Gewissheit her? Auch das fällt wohl eher unter das Motto: Lieber eine starke Behauptung als ein schlapper Beweis. Ließen sich ab einer bestimmten

(welcher?) Bestandsgröße Tierschutzmängel konkret nachweisen – man sollte sie sofort begrenzen. Aber die Herausforderung ist eine ganz andere: das Wohl des einzelnen Tieres in Beständen jeder Größenordnung zu verbessern. Das ist – zugegebenermaßen – deutlich anspruchsvoller als

scheinheilige Lösungsansätze.

 

Lisa Langbehn