Kommt da noch ein schwaches Jahr?

 

2017 standen die Preise im Agrarsektor über weite Strecken unter Druck. Wird sich das 2018 fortsetzen?

Für viele Agrarprodukte erwarten wir im Vergleich zu den aktuellen Notierungen leicht steigende Preise. Allerdings ist das bei den meisten Produkten bereits an den Börsen eingepreist. Die hohen weltweiten Bestände werden weiter auf den Preisen lasten. Extreme Wetterbedingungen und damit einhergehende Produktionsausfälle könnten dies aber kurzfristig ändern.

Welche Produkte haben 2018 am ehesten Aufwärtspotential?

Kurzfristig Sojabohnen und Sojaschrot, denn die trockenen Bedingungen in Argentinien – Bodenfeuchte von nur 30 Prozent des Normalwertes – können sich auf die Produktion auswirken. Niederschläge und Temperaturen bis Mitte Februar werden den Markt bewegen. Mais könnte 2018 durchaus auch im Preis steigen, denn die Aussaatflächen in den beiden größten Exportnationen – USA und Brasilien – werden wahrscheinlich sinken, da die um die Fläche konkurrierende Sojabohne bessere Margen für die Landwirte bringt.

Was braucht es, damit Raps sich wieder in Richtung 400 €/t aufmacht?

Nachfrage! Aber das gestaltet sich in einem Umfeld mit hohen Sojaernten und einer deutlichen Produktionserholung bei Palmöl schwierig. Wir erwarten weiter fallende Palmölpreise im Jahr 2018, was das gesamte Preisgefüge bei Pflanzenölen belasten wird. Argentinien muss versuchen, die Biodieselexporte, die aufgrund von Importzöllen nicht mehr in die USA können, umzuleiten. Das wird nicht in vollem Umfang gelingen. Daher wird mehr Sojaöl auf den Weltmarkt fließen. Außerdem belastet die weiterhin hohe globale Verfügbarkeit von Sonnenblumensaat die Rapspreise.

Die EU-Weizenexporte 2017/18 fielen bisher schwach aus. Dreht sich das Blatt hier noch einmal?

Die hohen Weizenexporte aus Russland belasten die EU-Ausfuhren deutlich. Das hat dazu geführt, dass sich die EU-Exportlizenzen bis Ende November auf lediglich knapp 8,5 Mio. t – also gut 2 Mio. t weniger als im Vorjahreszeitraum – belaufen. Wir gehen davon aus, dass Russland sich auch in den nächsten Monaten stark am Exportmarkt engagiert.

Der Winter kann zwar die russische Logistik beeinträchtigen und die Ausfuhren etwas verlangsamen. Das würde der EU bessere Chancen einräumen. Aber prinzipiell wird der Exportwettbewerb aus Russland heraus wohl noch länger anhalten. Weizen ist dort gut entwickelt in den Winter gegangen, und in Kombination mit einer weiterhin hohen Anbaufläche und großen Lagerbeständen positioniert Russland sich auch für 2018/19 als ein starker Konkurrent am Exportmarkt.

 

 

 

 

Stefan Vogel, Rabobank Research