Irritierende Halbwahrheiten

 

Züchtung. Frei nach dem Motto »eine starke Behauptung ist besser als ein schwacher Beweis« hat der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) gemeinsam mit Greenpeace und weiteren Organisationen mit geschwollener Brust die Entwicklung des weltweit ersten Nachweisverfahrens für Pflanzen aus »neuer Gentechnik« präsentiert. Es soll Mutationen identifizieren, die mittels Genome-Editing-Methoden wie CRISPR/ Cas herbeigeführt wurden. In der Konsequenz fordern die Beteiligten die deutschen Behörden auf, das neue Nachweisverfahren unverzüglich in der Lebens- und Futtermittelkontrolle einzusetzen, um die Verbraucher vor verbotenen Importen zu schützen.

Sollte eine Handvoll NGOs tatsächlich geschafft haben, was einer ganzen Wissenschafts-Community bisher nicht gelungen ist? Bei näherem Hinsehen entpuppt sich dieser vermeintliche Durchbruch schnell als Mogelpackung. Der von einer US-Firma entwickelte PCR-Test kann lediglich eine bestimmte Punktmutation im Genom von Cibus- Raps identifizieren. Es lässt sich damit aber nicht nachweisen, auf welchem Weg die Mutation herbeigeführt wurde. Genauso gut könnte es sich um eine Zufallsmutation handeln. Zudem ist die PCR-Methode an sich alles andere als neu. Das bestätigen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sowie Molekularbiologen deutscher Universitäten. Ein gerichtsfester Befund bei amtlichen Kontrollen auf GVO-Anteile sei daher mit dieser Methode alleine unmöglich.

Es bleibt also die ernüchternde Erkenntnis, dass es (wieder einmal) nicht um eine sachliche und konstruktive Auseinandersetzung mit diesem komplexen Thema geht, sondern im Grunde um die »alte« Gentechnik-Debatte. Mit Verbraucheraufklärung hat das jedenfalls nichts zu tun.

 

Katrin Rutt