Image ist alles

 

Sojaersatz. Das immer kleiner werdende Budget der Tierwohl-Initiative hat gezeigt, dass sie für den Lebensmitteleinzelhandel kaum mehr ist als ein Feigenblatt. Im Gegenzug hat die hohe Teilnahmebereitschaft seitens der Erzeuger gezeigt, dass sie bereit sind für Veränderungen in der Tierhaltung – wenn ihnen jemand den damit verbundenen Aufwand entgilt.

Das sollte im Hinterkopf behalten, wer die Absichten des Rewe-Konzerns zum Thema »Sojaersatz« durchgeht. Denn das Unternehmen, das sich als »nachhaltigstes« der Branche positioniert, will Sojabohnen aus Südamerika in der Herstellung seiner Eigenmarken verbannen, wegen der negativen ökologischen Auswirkungen. Die Tierhalter sollen im Gegenzug Leguminosen aus deutschem oder zumindest europäischem Anbau einsetzen. Nebenbei will Rewe noch GVO aus den Rationen streichen. Manager Ludger Breloh drohte bereits vor einiger Zeit: »Wenn die großen Tierhalter nicht mitziehen, werden wir auf kleine, regionale zurückgreifen, die einfach auf gentechnikfreie Produktion umschalten können.« Oder einfach im Ausland kaufen. Markige Worte, die den Zeitgeist treffen und manchem in der Agrarbranche Gänsehaut verursachen. Nur stellt sich die Frage, ob Rewe sein Fleisch tatsächlich von den Landwirten direkt oder nicht doch eher von den Schlachtbetrieben bezieht. Und ob deren Infrastruktur überhaupt auf solche Anforderungen vorbereitet ist. Wohl kaum. Allerdings: Die neue Tönnies-Tochter, die Livestock GmbH, könnte ein erster Versuch der Schlachtunternehmen sein, eine eigene, an den Forderungen des LEH ausgerichtete Produktion aufzubauen.

Aber ob der Sojaersatz nun realisierbar ist oder Rewe damit scheitert: Für den Kölner Konzern stellt allein der Versuch einen unbezahlbaren Imagegewinn dar. Und darum geht es doch wohl: sich beim Verbraucher als Saubermann darzustellen und Kunden zu gewinnen. Die greifen dann bei Rewe etwa zum »Pro Planet«-Geflügelfleisch und erkaufen sich damit ein reines Gewissen. Das blaue Siegel ist eine Erfindung von Rewe und vermittelt dem Verbraucher, das in der Verpackung enthaltene Fleisch stamme ausschließlich von Tieren mit mehr Platz und GVO-freier Fütterung. Tatsächlich geht das Werbeversprechen nur mittels Massenbilanzierung auf: In den einzelnen Verpackungen findet sich eine Mischung aus konventionell erzeugtem und Pro-Planet-Geflügelfleisch – oder auch mal gar kein Pro-Planet-Fleisch. Vielleicht gesellt sich also bald noch ein »ohne Soja«-Siegel hinzu. Mehr kosten dürfte das Fleisch bei Rewe dann natürlich nicht, denn das triebe die Verbraucher in die Arme der billigeren Konkurrenz – sauberes Gewissen hin oder her.

 

Markus Wolf