Gefühlsverwirrungen

 

Heimat. Sollte eine große Koalition von den SPD-Mitgliedern »genehmigt« werden, so wird das Innenministerium auch für »Heimat« zuständig sein. Es wird darüber spekuliert, ob damit auch der Bereich »ländlicher Raum« aus dem Landwirtschaftsministerium abwandert. Die ganze Idee jedoch ist der Missbrauch eines schönen Begriffs. Ein Heimatministerium wird (nach bayerischem Vorbild) vor allem Fördermittel verteilen. Für Landwirtschaft und ländliche Räume soll es in den nächsten vier Jahren 1,5 Mrd. € zusätzlich geben: Eine Machtposition hat, wer darüber verfügen kann. Die CSU hatte die »Heimat-Idee« ursprünglich für ihr Landwirtschaftsministerium konzipiert und eine enge Verbindung von Heimat und ländlichem Raum konstruiert – Stichwort »abgehängte Regionen«. Letztere gibt es, aber der ländliche Raum deckt sich mit ihnen nur zu kleinen Teilen. Für Mecklenburg-Vorpommern trifft der Zusammenhang wohl weitgehend zu, aber nicht für große Teile Bayerns. Einerseits bleiben Regionen zurück, andererseits lösen sich die Grenzen zwischen Stadt und Land immer mehr auf – nicht nur ökonomisch, sondern auch mental. Politiker können und sollten sich in vernachlässigten ländlichen Räumen um Busverbindungen oder Breitbandausbau kümmern. Das mag individuell oder kollektiv Unzufriedenheit mindern oder auch nicht, aber was hat das mit »Heimat« zu tun? Diese ist keine technische, ökonomische oder regional definierte Kategorie, sondern als Gefühlswert sehr schwer zu fassen und im Übrigen nicht aufs Land beschränkt. Heimat lässt sich nicht fördern, verordnen oder verwalten, weder in einem Innen- noch in einem Landwirtschaftsministerium.

 

 

 

Thomas Preuße