Flaschenhälse

 

Tierwohl. Die Kritik der Landwirte ist richtig: Der Topf für die Initiative Tierwohl ist zu klein, mehr Geld muss her. Damit alle Betriebe, die wollen, mitmachen können und damit den Teilnehmern mehr gezahlt werden kann. Mehr Geld, mehr Tierwohl: So einfach ist das. Also lieber Lebensmittelhandel, zahle künftig 6, noch besser 12 Ct/kg in den Topf ein statt nur 4 Ct!

Aber ist es wirklich so einfach? Aldi, REWE & Co. verkaufen nur 30 % des in Deutschland erzeugten Fleisches. Doch selbst wenn sie die 4 Ct/kg verdoppeln, es reicht nicht aus, um alle teilnahmewilligen Betriebe angemessen zu entlohnen. Damit genug Geld zusammenkommt – manche sagen 400 Mio. €, andere 1 Mrd. € –, müssen auch die anderen Fleischverkäufer ran. Wenigstens Metzger und Fleischhändler und wenn möglich auch der Export (30 %). Ansonsten kommt nicht ausreichend Geld zusammen. Der beste Flaschenhals ist daher der Schlachthof. Dort 4 € je Schwein abgeführt, das hätte mehr Wirkung. Da kämen 220 Mio. € zusammen. Der Schlachthof muss sich das Geld dann von allen Kunden holen. Im Inlandsgeschäft ist das machbar, beim Export eher unwahrscheinlich.

Das gilt auch für die Milch: 4 Ct je l Frischmilch extra, das klingt ja ganz gut, ist aber eher ein Almosen. Denn nur gut 11 % der Milch gehen in die Trinkmilch. Der Verbraucher fühlt sich wohl – aber bei den Bauern kommen rechnerisch nicht mal 0,5 Ct/l erzeugter Milch an. Für Käse, Sahne und Pulver zahlen weder LEH noch Gastronomie oder Schokoladehersteller.

Wenn man denn über eine Umlage Tierwohl befördern oder den Milchbauern helfen will, dann muss man am Flaschenhals ansetzen. Der LEH ist vieles, aber kein geeigneter Flaschenhals.

 

Christian Bickert