»Et hätt noch emmer jot jejange«

 

Auflagen. Halten Sie sich an die Straßenverkehrsordnung? »Ja, klar«, wird jeder verantwortungsbewusste Bürger antworten. Zu Letzteren zähle ich mich eigentlich auch. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich nicht in jeder 70-km/h-Zone auch wirklich Strich 70 und in Ortschaften auch nicht immer Strich 50 fahre. Dass ich dafür schon den einen oder anderen Bußgeldbescheid oder Punkt kassiert habe, ärgert mich zwar. An meinem Fahrstil hat das bisher grundsätzlich jedoch nichts geändert.
Warum ich das erzähle? Weil ich mir sicher bin, dass ich nicht die Einzige bin, die sich nicht immer an die Regeln hält. Das gilt auch für die Landwirtschaft. Gerade im Pflanzenschutz oder bei der Düngung gibt es unzählige Vorschriften. Und die sind in den Augen mancher Landwirte teilweise nicht nur viel zu kompliziert, sondern auch völlig überzogen. Unter vorgehaltener Hand gibt daher der eine oder andere auch zu, es ab und an »nicht ganz so genau zu nehmen«. Wer z. B. ein paar Kubikmeter Gülle zu viel hat, findet irgendwie einen Weg, sie loszuwerden. Auch sind die Bestände an den Rändern zu Gewässern oft erstaunlich unkrautfrei.
Keine Frage, es hat sich in den letzten Jahren schon viel getan in punkto Nährstoffüberschüsse und Pflanzenschutzmittelrückstände. Und die Regelungswut der Politik werden wir wohl auch nie komplett stoppen können. Aber womöglich können wir sie ein wenig bremsen. Deshalb sollten gerade diejenigen, die sich an die Regeln halten, verstärkte Kontrollen einfordern. Sonst blüht uns (im übertragenen Sinne) Tempo 30 in Ortschaften, damit am Ende zumindest keiner mehr schneller als 50 km/h fährt.

 

Katrin Rutt