Es lebe das Klischee

 

Da gähnt die tapferste Gebetsmühle: Das Wohl des einzelnen Tieres hängt nicht von der Größe des Bestandes ab, in dem es steht. Trotz dieser Binsenweisheit wurde auf der Agrarministerkonferenz unter der Überschrift »Tierschutz im Fokus« genau das einmal mehr diskutiert. Die grünen Landwirtschaftsminister wollen eine stärkere Begrenzung der Massentierhaltung voranbringen. Jetzt denken Sie vielleicht: »Na, die Grünen haben ja sowieso eine merkwürdige Vorstellung von Tierschutz. « Viele andere stoßen aber in das gleiche Horn. Jüngstes Beispiel ist die agrarpolitische Sprecherin der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Marlene Mortler. Sie hat eine Größenbegrenzung von Tierbeständen angeregt. Man dürfe die Tierhaltung nicht außerlandwirtschaftlichen Investoren überlassen und sie nicht über Tierhaltungsformen und Betriebsgrößen entscheiden lassen, sondern müsse »bäuerliche Familien« stärken – was immer man sich darunter vorstellen soll.

Mit solchen Diskussionen schadet Frau Mortler wohl am allermeisten gerade den Familienbetrieben. Investoren, die in der Tierhaltung ja sowieso nicht so richtig zahlreich sind, haben keine grundsätzlich andere Tierhaltung und auch nicht unbedingt größere Bestände als Familienbetriebe. Und wie soll eine bäuerliche Familie von der Schweinehaltung leben, wenn sie den Betrieb nicht weiterentwickeln darf? Zumal dem einzelnen Schwein mit einem möglichst kleinen Bestand eben überhaupt nicht geholfen ist. Den Tierschutz auszubauen ist ein wirklich wichtiges Anliegen. Aber das wird nichts mit derart mottenkistigen Klischees.