»Ein Hoch auf uns!«

 

Gewinnglättung. Mit dem Liedtitel von Andreas Bourani, der uns als »WM-Song« zum Fußball-Weltmeistertitel begleitet hat, überschreibt jetzt der Hauptverband der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen die Gewinnglättung. Eine Frechheit! Was offensichtlich ein glänzendes Geschäft für die Steuerberater bedeutet, ist für die Landwirte eine Luftnummer.
Zwar fordern die Berufsverbände schon seit Jahren eine Stärkung des Risikomanagements. Dabei wurde immer wieder eine Risikoausgleichsrücklage ins Spiel gebracht. Unter dem Eindruck des massiven Milchpreisverfalls wurde diese Forderung durchgesetzt – aufgehübscht als Gewinnglättung. Diese Durchsetzungskraft verdient Respekt. Aber zeigt sie auch die versprochene Wirkung? Schließlich haben wissenschaftliche Studien schon vor Jahren deutlich gemacht, dass mit Mitteln des Steuerrechts weder eine strukturelle Krise gemeistert noch kurzfristig Liquidität für notleidende Betriebe geschaffen werden kann.
Die Vorteile einer Gewinnverteilung über drei Jahre sind oft eher mäßig – ein Liquiditätsschub entsteht definitiv nicht! Wer Pech hat, muss sogar mit Steuernachzahlungen rechnen. Und ganz davon abgesehen werden mögliche Steuererstattungen erst weit nach den betreffenden Wirtschaftsjahren ausgezahlt – mitunter vier Jahre später! Beispielsweise geben Sie die Steuererklärung für den Veranlagungszeitraum 2014 – 2016 wegen des abweichenden Wirtschaftsjahres erst Anfang 2018 ab. Wie sich jetzt – glücklicherweise – auch wieder zeigt, hat sich der Markt dann längst wieder gedreht.

Hinzu kommt, dass die Vorschrift nur für Einzelunternehmen und Personengesellschaften gilt, nicht aber für Körperschaften oder juristische Personen wie GmbHs, Genossenschaften oder Aktiengesellschaften. Machen in der politischen Realität klima- und marktbedingte Schwankungen sowie Ertragseinbußen einen Bogen um Unternehmen, die aus steuerlichen Gründen Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielen? Auch der Versuch, mit einer entsprechenden Steuerplanung und – gestaltung in Krisenzeiten Liquidität für notleidende Betriebe zu schaffen, wird mit der Tarifglättung konterkariert. Die Auswirkungen sind zum Teil schlicht nicht kalkulierbar. Viele Fragen sind noch ungeklärt.
Unterm Strich hat man ein bürokratisches Monster geschaffen. Die Freude der Beraterschar darüber ist nachvollziehbar – aber braucht es wirklich eine derartige Verkomplizierung des Steuerrechts für ihre Daseinsberechtigung? Wirklich schade, gibt es doch bei der immer komplexer werdenden Struktur landwirtschaftlicher Betriebe genügend Gestaltungsfragen zu lösen.

 

 

Thomas Künzel