Dieses Label braucht kein Mensch

 

Tierwohllabel. Jetzt soll es kommen, das staatliche Tierwohllabel. Dreistufig, freiwillig. Bleibt nur noch die Frage: Worauf soll es eigentlich kleben? Das Fleisch, von dem dabei immer die Rede ist, wird es nicht geben – jedenfalls nicht in Mengen, die über die der ITW hinausgehen. Wie auch – denn nach wie vor gibt es keine Antwort darauf, wer die immensen Kosten für die Produktion mit mehr Tierwohl tragen soll. Das Landwirtschaftsministerium hat jedenfalls kein Budget, um die Tierhalter nennenswert zu unterstützen. Und der Handel hat mit der ITW ja bereits geliefert. Ob es sie noch gibt, wenn das staatliche Label kommt, ist zu hoffen. Und auch dann – eine bombastische Aufstockung des ITW-Fonds ist nicht zu erwarten. Und der reicht bei Schweinefleisch eben nur für einen relativ kleinen Anteil. Dieser Aufschlag wird ja im Laden nicht ausgewiesen, denn man möchte die Verbraucher auf keinen Fall mit zu hohen Fleischpreisen vertreiben. Da kann man sich die Preisgestaltung für die Tierwohllabel-Produkte auch schon vorstellen.

Bleiben die Tierhalter. Aber kann man ernsthaft erwarten, dass ein Landwirt für einen Stallumbau einen hohen sechsstelligen Kredit aufnimmt – wenn er denn überhaupt noch einen bekommt – auf die bloße Hoffnung hin, dass die Nachfrage nach dem gelabelten Fleisch bestimmt hoch ist? Ohne eine zugesicherte Abnahme samt zugesichertem Aufschlag, der die teure Produktion ermöglicht? Das vorgeschlagene Label ist ja freiwillig, es wird heißen, die Landwirte ziehen nicht mit. Und das wird stimmen – sie können einfach nicht.

Ein staatliches Tierwohllabel, das nur die Erfolge der ITW einstreichen will, braucht wirklich niemand.

 

Lisa Langbehn