Der »vierte Weg« ist eine Sackgasse

 

Ferkelkastrieren. Für die betäubungslose Ferkelkastration ist eine Fristverlängerung bis Ende 2020 wahrscheinlich. Doch Grund zu großer Freude ist das nicht. Die meisten Ferkelerzeuger stehen nach wie vor ratlos da: Lassen sich Eberferkel ohne Preisabschlag verkaufen? Etabliert sich die  Immunokastration am Markt? Wie gesundheitsschädlich ist das Verfahren mit Isofluran für den Anwender? Täglich tauchen neue Fragen auf.

Nur eines ist bereits klar: Der »vierte Weg« wird nicht kommen! Sicher nicht bis zum Ende der Fristverlängerung und vermutlich auch nicht danach. Denn es fehlt nicht nur an der Zulassung des nötigen Arzneimittels. Der größte Knackpunkt ist das Tierschutzgesetz – es fordert vollständige Schmerzausschaltung. Auch wenn diese sogar Humanmediziner für unmöglich halten: Fehlt der politische Wille, das Gesetz zu ändern, ist der »vierte Weg« tot. So sieht es leider aus.

Nicht zuletzt deshalb bekommt die Diskussion um Improvac neuen Schub. Der Einzelhandel gibt sich offen dafür. Den schwarzen Peter schiebt man den Schlachtern zu, die sich tatsächlich vehement weigern, Immunokastraten abzunehmen. Die Argumentation, asiatische Kunden weigerten sich, solche Teilstücke abzunehmen, ist jedoch wenig überzeugend. Brasilien (mit einem hohen Anteil geimpfter Tiere) kann sein Fleisch genau auf diesen asiatischen Märkten problemlos vermarkten. Tatsache ist aber auch: Ohne konkrete Zusagen der Schlachter wird die Immunokastration bei uns kein gangbarer Weg.

Auch bei Isofluran scheint das letzte Wort nicht gesprochen zu sein. Die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft bemängelt, »dass das Verfahren der Inhalationsnarkose den Anforderungen an einen sicheren Anwenderschutz nicht genügt«. Und nun? Ist so ein Verfahren dann überhaupt zukunftsfähig? Wer kommt für mögliche Schäden auf? Es wundert deshalb wenig, dass mancher Ferkelerzeuger ganz weg will von der Kastration, so schnell wie möglich. Nebenbei: Noch überhaupt nicht wurde über die Ebermast mit geringeren Mastendgewichten diskutiert, bei der die Tiere die Geschlechtsreife nicht erreichen – wie in Spanien oder Großbritannien praktiziert.

Doch aktuell herrscht in der Kette keine Bereitschaft, die bisher üblichen Produktionsverfahren umzustellen – und das liegt nicht an den Ferkelerzeugern! Muss es erst zu einem Verbot der Kastration kommen, bis Mäster, Schlachter und Verarbeiter sich bewegen? Wir sollten uns nichts vormachen: Lange wird die Ruhe auch bei der Kastration unter Betäubung nicht anhalten. Das Ziel »keine Eingriffe am Nutztier« steht nicht nur bei Tierschützern schon lange auf der Agenda.

 

 

 

Christin Benecke