Der Klasse fehlt die Masse

 

Ökolandbau. Manchmal sagt ja Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt nichts Falsches. So bei der Auftaktveranstaltung zur »Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau«. Er wolle, da können wir dem Minister zustimmen, kein Gegeneinander (zwischen »Öko« und »konventionell«), sondern einen »Wettbewerb der Alternativen«. Jeder weiß natürlich, was Schmidt wirklich will: bis zur Bundestagswahl ein »grünes« Thema besetzen.

Schreibt man die derzeitige Entwicklung unverändert fort, wird das Ziel der 20 % Ökofläche erst 2077 erreicht. Das in der EU führende Ökoland, Dänemark, will 15 % bis 2020. Schon das wäre mehr als eine Verdopplung gegenüber dem heutigen Stand. Deutschland hat nicht viel weniger Ökoflächen-Anteil, aber die Voraussetzungen in Dänemark sind insgesamt besser. Dabei sind die höheren Dünge und Pflanzenschutzauflagen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Ökolandbaues relativ verbessern, nicht das Entscheidende. Die große Schwäche Deutschlands ist die oft nicht zu den Abnehmern passende Produktions- und Verarbeitungsstruktur. Über 50 % der Bioprodukte werden im Supermarkt gekauft. Die dort gewünschte »Masse« bei begrenzter Zahlungsbereitschaft können kleine Betriebe nicht wettbewerbsfähig liefern. Kein Wunder, dass Importe ständig zunehmen.

Bevor sie gegen die ökonomischen Realitäten immerzu einen höheren Produktionsanteil fordert, müsste sich die deutsche Ökobranche darüber klarwerden, was sie eigentlich sein will: eine alternative Lebensform in der Nische oder ein auf Wachstum setzender Wirtschaftszweig. Marktanteile lassen sich eben nicht verordnen.

 

Thomas Preuße