Das kommt auf die Landwirte zu

 

Herr Osterburg, was kommt mit dem Klimapaket auf die Landwirtschaft zu?

Das Klimaschutzprogramm legt die Maßnahmen fest, mit denen die Erreichung der Klimaschutzziele bis 2030 sichergestellt werden sollen. Die verbindlichen Sektorziele sind im Klimaschutzplan 2050 festgeschrieben. Bis 2030 sollen die Emissionen der Landwirtschaft aus Düngung, Tierhaltung und Energieverbrauch von heute gut 72 Mio. t CO2 Äquivalenten auf 58 bis 61 Mio. t gesenkt werden. Prozentual ist die Reduktion geringer als in anderen Sektoren, aber für die Landwirtschaft dennoch eine große Herausforderung.

Wie soll die Landwirtschaft »ihre« Klimaziele konkret erreichen? Welches Steuerungsregime ist angedacht?

Das Eckpunktepapier der Bundesregierung vom 20. September nennt für die Landwirtschaft eine Vielfalt von Maßnahmen, von denen viele aber nicht neu sind. Die Steuerung soll über eine intensivere Förderung sowie über das Ordnungsrecht erfolgen. So zum Beispiel die Weiterentwicklung des Düngerechts, die Förderung emissionsarmer Lagerung und Ausbringung von Gülle, von Biogas aus Gülle und Reststoffen, des ökologischen Landbaus und der Energieeinsparung. Die Förderung der Tierhaltung soll stärker auf Tierwohl ausgerichtet werden und dabei Umwelt und Klimawirkungen berücksichtigen. 2021 will die Bundesregierung dazu eine Emissionsminderungsstrategie vorlegen.

Wird die Leistung der Landwirtschaft zur CO2Speicherung berücksichtigt?

»Humuserhalt und Humusaufbau im Ackerland« ist eine der im Eckpunktepapier genannten elf Maßnahmen in der Land und Forstwirtschaft. Auch die Erhaltung von Dauergrünland, der Ausbau des Ökolandbaus und der Schutz von Moorböden tragen zu Erhalt und Aufbau der CO2Speicherung im Boden bei. Aber es gibt auch Emissionsquellen: Allein aus landwirtschaftlich genutzten, entwässerten Moorböden emittieren jährlich über 38 Mio. t CO2Äquivalente. Für die Landnutzung, darunter fallen der Bodenhumus und die Moorböden, gibt es im Klimaschutzplan ein separates Ziel neben dem Sektorziel Landwirtschaft.

Welche Auswirkungen hat die CO2 Bepreisung für die Landwirtschaft?

Die CO2-Bepreisung fossiler Brenn- und Kraftstoffe durch Zertifikate ist ein Kernstück des Eckpunktepapiers. Sie wird auch den landwirtschaftlichen Energieverbrauch betreffen und mittelfristig Energieeinsparungen und erneuerbare Energien begünstigen. Die anderen landwirtschaftlichen Emissionen – 12 % der deutschen Gesamtemissionen – fallen nicht unter die Bepreisung. Die Finanzierung des Klimaschutzes soll künftig zunehmend aus den Einnahmen der CO2Bepreisung erfolgen. Dabei stellt sich die Frage, ob die Landwirtschaft außerhalb der CO2Bepreisung verbleiben kann, oder ob es Wege gibt, sie schrittweise in das neue System zu integrieren.

 

Foto: Bernhard Osterburg