Da braut sich was zusammen

 

Gentechnik. Schon seit Jahresbeginn ist die Zulassung von GV-Sorten Sache der EU-Länder. Die dürfen nach Gusto entscheiden, pardon, natürlich nach »sozio-ökonomischen Kriterien«. Das klingt wissenschaftlicher, meint aber dasselbe. Weil es bisher nur um Mais geht, hat dies noch keine praktischen Auswirkungen. Ein Entwurf der EU Kommission sieht vor, dass die nationalen Regierungen künftig auch über den Import von GVO-Produkten entscheiden dürfen – wiederum rein nach der gefühlten öffentlichen Stimmungslage. Sollte dieser Plan durchkommen, dann spräche Österreich wohl als erstes Land ein solches Importverbot aus. Frankreich wäre der zweite Kandidat, und ich glaube, mit Beginn des Bundestagswahlkampfes 2017 würde auch Deutschland die Möglichkeit nutzen – ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.

Und die wären drastisch: Futtereiweiß würde ein Luxusgut. Ackerbauern bekämen ihre Erbsen und Sojabohnen vergoldet. Zwar würden sich auch in Brasilien, Kanada und den USA einige Farmer auf den dann hochpreisigen deutschen (und französischen) Markt einstellen und GVO-freie Sojabohnen produzieren. Aber Futter wäre dann so teuer, dass deutsches Fleisch, vielleicht auch Milch, kaum noch konkurrenzfähig wäre. Erst recht nicht im Export. Der Futtermittelhandel über die Grenzen wäre zwar eingeschränkt, aber dank geringerer Viehbestände dann auch kaum noch nötig. Weniger Vieh, weniger Gülle, keine Fleischexporte, mehr Leguminosen auf dem Acker – so viele grüne Träume mit einem Federstrich erfüllt. Da könnte kein Politiker widerstehen.

Alles nur Schwarzmalerei, meinen Sie? Hoffentlich haben Sie Recht!

 

Christian Bickert