Biodiversität durch die Hintertür

 

Die Ernte ist in vollem Gange. Jetzt geht es daran, die Weichen für die kommende Saison zu stellen. Doch das ist gar nicht so einfach, weil sich viele Rahmenbedingungen zurzeit noch im politischen Genehmigungsverfahren befinden.

Das trifft auch auf die Programme einiger Bundesländer zu. Hier gibt es neue Maßnahmen und höhere  Fördersätze, die es genauer unter die Lupe zu nehmen lohnt. Dazu zählt das Agrarumweltprogramm »Vielfältige Fruchtfolgen«. Bedingung: Sie müssen fünf Kulturen mit jeweils mindestens 10 % und maximal 30 % der Ackerfläche anbauen. 10 % der Fläche sind mit  großkörnigen Leguminosen wie Erbsen oder Ackerbohnen zu bestellen. Sozusagen durch die Hintertür versuchen die Landespolitiker, das zu erreichen, was beim Greening gründlich schiefgegangen ist, nämlich mehr Biodiversität.

Die Fördersätze dafür sind in den Bundesländern unterschiedlich. In Niedersachsen gibt es z. B. 119 €/ha, in Schleswig-Holstein 110 €/ha. Viele, die auf den Zug aufspringen, werden damit Neuland betreten. Deshalb ist diese »Risikoprämie« auch angebracht.

Neben den auf geduldigem Papier kalkulierbaren Rahmendaten müssen Sie sich fragen: Wie können die Leguminosen verwertet werden? Passt meine Maschinenausstattung? Sind meine Schläge so strukturiert, dass eine praktische Aufteilung zur Erfüllung der Anbaugrenzen möglich ist? Betriebswirtschaftlich sinnvoll scheint das Angebot zu sein, denn die offerierte Prämienhöhe kann – zumindest auf mittleren und schwächeren Standorten – die ökonomischen Nachteile ausgleichen. Rechnen, rechnen, rechnen: So lautet trotzdem die Devise, bevor Sie sich für mehr Fruchtfolge entscheiden.

 

Thomas Künzel