Am Abgrund

 

KTG Agrar. Aus Sicht vieler Landwirte steht gerade die KTG für ein Geschäftsmodell, das auf Investorenkapital ruht und damit die Preise für den Acker in die Höhe treibt. Deshalb machte es schnell die Runde: Die KTG hat ein Problem. Genauer: Weil sie die 18 Mio. € an Zinsen für eine Anleihe nicht begleichen kann, dürften jetzt die Gläubiger vergrätzt und das Vertrauen dahin sein. Siegfried Hofreiter, CEO und Finanzchef in Personalunion, steht mit dem Rücken zur Wand.
Blickt man in die Bilanzen, wird klar: Die Schuldenkennziffern wirken desaströs – eine Folge eines schier unstillbaren Kapitalhungers. Aus dem Ertrag lassen sich die Forderungen der Kapitalgeber nicht mehr bedienen. Schließlich versprechen die bunten Prospekte dem Anleger Renditen von über 7 % – und das in Zeiten, in denen die Banken so gut wie keine Zinsen zahlen.
Bleibt als letzter Rettungsanker noch das Tafelsilber. Den Wert der eigenen Flächen bezifferte die KTG zeitweise auf über 100 Mio. €. Ein Großteil des Ackers wurde aber schon zu Geld gemacht. Allein 2015 wurden knapp 2 500 ha Ackerland in Deutschland versilbert und zu offenbar abenteuerlichen Preisen zurückgepachtet.
Auch andere Schachzüge wirken wenig vertrauensbildend. So wurde im vergangenen Sommer berichtet, dass sich ein chinesischer Investor (Fosun) an der KTG beteiligen würde. Doch dann wurde diese als sicher angesehene Beteiligung klammheimlich abgesagt. Bleibt die Frage: Wie will man in einem Jahr die zur Rückzahlung der Anleihe fälligen 250 Mio. € auftreiben? Oder droht die Insolvenz schon im Juli? Wenn mehr Monopoly gespielt als Landwirtschaft betrieben wird, stimmt das Geschäftsmodell nicht.

 

Thomas Künzel