Ein Korsett, das oft zu eng ist

Agrarförderung. Ein Berater brachte es kürzlich auf den Punkt: Agrarförderungen sind ein Korsett, das oft zu sehr einschnürt. Wie recht er damit hat, spüren derzeit nicht nur investitionswillige Landwirte. Es spürt im Grunde jeder Ackerbauer.

Nehmen wir das Beispiel Bauförderung. Der Antrag auf Förderung kann erst nach einem genehmigten Bauantrag gestellt werden. Dabei gibt es immer bestimmte Stichtage, an denen die vorliegenden Anträge geprüft und bewilligt werden, was durchaus zwei Wochen dauern kann. Vom Bauantrag bis zur Bewilligung vergehen leicht fünf Monate. In Zeiten konstanter Preise ist das kein Problem, die Variablen für den Bauherren ändern sich nicht. Aber in Zeiten, in denen der Zins um einen halben Prozentpunkt pro Monat steigt und die Baukosten monatlich nach oben klettern, passt das nicht mehr. Wer mit einem Kreditvertrag oder einer Ausschreibung wartet. bis eine Förderbewilligung vorliegt, zahlt am Ende mehr als die Förderung bringt. Dass der Staat genau prüfen muss, wofür er Geld ausgibt, das ist in Ordnung. Aber in Zeiten hoher Inflation und sich ändernder Rahmenbedingungen müssen die Abläufe schneller werden.

Ähnlich ist das im Ackerbau. Egal was die neue GAP im Detail ab 2023 bringt, die Prämien und Konditionalitäten sind auf ein Preisniveau von 180 €/t Weizen oder 380 €/t Raps abgestimmt. Bei den heutigen Preisen passen »Ausgleichsmaßnahmen« und die damit verbundenen Einschränkungen aber nicht mehr zusammen. Die Einbußen durch Auflagen sind häufig deutlich größer als der Ausgleich. Für viele Betriebe wird es sich nicht lohnen, im engen Korsett zu bleiben. Ohne Korsett atmet es sich eben freier.

 

 

Dr. Christian Bickert