Das Aus fürs Tierwohlfleisch

Schweinehaltung. Borchert, Bio & Co. leben von Zahlungsbereitschaftun und -fähigkeit – und zwar sowohl der der Verbraucher als auch der des Staates. Das heißt nichts Gutes für Cem Özdemirs ausgehöhlte Pläne zum Tierwohllabel. Die Finanzierung lässt er komplett offen! Und was nicht freier Markt ist, lehnt die FDP ab. Außerdem gibt  es keine Kriterien für die Ferkelerzeugung, und Gastronomie sowie Verarbeitung bleiben von der Kennzeichnungspflicht befreit. Die zwingend notwendige Baurechtsänderung sowie die Herkunftskennzeichnung kommen nur im Ungefähren vor. Kurzum: Die letzte Hoffnung der Schweinehalter, teuren gesetzlichen Haltungsvorgaben durch die Umsetzung der Vorschläge der Borchert-Kommission eine wirtschaftliche Perspektive entgegenzusetzen, rückt in weite Ferne.

Damit wird auch der Lebensmitteleinzelhandel Schwierigkeiten haben, seine vollmundigen Absichtsbekundungen zur Umstellung des Fleischsortiments auf höhere Tierwohlstufen umzusetzen. Angesichts der Sparwut bzw. des Sparzwangs der Verbraucher beim Lebensmitteleinkauf wird das ohne eine staatlich sichergestellte Finanzierung schlicht nicht realisierbar sein. Der positive Corona-Effekt auf hochpreisige Lebensmittel wie Bioprodukte war nur kurzfristig, die inflationsbedingte Preiserhöhung jedoch bleibt. Da günstige Lebensmittel in Deutschland trotzdem eine sehr hohe Qualität haben, rutscht der Nutzen von Tierwohlfleisch auf die Lifestyle-Ebene – und da lässt es sich gut sparen.

Der gesamte Plan zum Umbau der Tierhaltung basiert auf der Grundannahme, dass unser Wohlstandsniveau hoch ist und weiter steigt. Die aktuelle Krise bringt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Viel mehr noch: Sie zeigt, dass die Versprechen der Politik allein von der wirtschaftlichen Lage abhängen und sich kurzfristig in Luft auflösen können. Aus Sicht der Schweinehalter ist die Situation frustrierend, da das nach unseren Tierwohlvorgaben produzierte Fleisch ohne Nutzen für irgendwen demnächst durch Importe mit niedrigeren Tierstandards ersetzt werden wird. Ein schwacher Trost für den einzelnen Betrieb ist nur, dass diese Krise jetzt kommt. Noch haben viele Betriebe die Chance, ihr Vermögen zu sichern und auf andere Betriebszweige umzuschwenken. Denn wer im guten Glauben auf eine beständige staatliche Finanzierung große Summen investiert, die wie auch immer konzipierte Finanzierung dann aber, wegen Unzumutbarkeit für Verbraucher und Staatshaushalt gekippt wird, der ist auf jeden Fall ruiniert.

 

 

Christin Benecke