Und auch das Murmeltier grüßt

Tank-Teller. Ein Vergleich von E 10 mit dem Preis des normalen Superbenzins hat mir bisher eher ein gutes Gefühl vermittelt. Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze hat nun diese selbstbezogene Haltung mit der ihr eigenen Melodramatik gründlich erschüttert. Zitat (gegenüber »Bild«): »Niemand will beim Tanken dafür verantwortlich sein, dass der Hunger in der Welt verschärft wird. Es muss aufhören, dass wir Lebensmittel in den Tank packen – egal ob Weizen, Palmöl, Raps oder Mais.« Stimmt, es sind wieder sieben Jahre vergangen. Und ewig grüßt das Murmeltier. 2008 und 2015 hatten wir fast auf den Punkt die gleiche Diskussion. Nur die Komplexität hat sich deutlich erhöht. Der Klimawandel ist präsenter geworden, und völlig neu ist die Gefahr der politischen Erpressbarkeit. Wirtschaftsminister Robert Habeck reist auf der Suche nach neuen Energiequellen durch die Welt, und zu hause wird die nachwachsende Energie noch zusätzlich gedeckelt?

Auf die Komplexität nun aber mit einfachen Hauruckmaßnahmen reagieren zu wollen, ist der falsche Weg. Schon in den letzten Tank-Teller-Diskussionen sagten Entwicklungshelfer, dass nichts die Produktion so stimuliere wie hohe Preise. Exportverbote oder auch abgesenkte Obergrenzen für Biosprit wirken dagegen kontraproduktiv. Denn sie zerstören langfristig das Vertrauen der Produzenten.

Alles gleichzeitig kann man nicht haben. In der besten aller Welten wünscht man sich eine Instanz, die unterschiedliche Interessen ausgleicht. In unserer chaotischen realen Welt übernehmen Marktpreise diese Funktion. Sie sind die beste aller schlechten Lösungen.

Thomas Preuße