Nische bleibt Nische

Konsumverhalten. Die Preise für Lebensmittel sind die letzten Wochen stark gestiegen. Insgesamt 8,6 % waren es im April gegenüber dem Vorjahr.  Fleisch ist 11 % teurer als vor einem Jahr, Molkereiprodukte, Eier und Gemüse kosten rund 9 % mehr. Da wundert es kaum, dass die Verbraucher beim Einkaufen (noch) mehr auf die Preise achten. Im Land der Discounter war es schon immer ein Sport, die besten Angebote zu erwischen. Nicht umsonst fluten uns die Händler jede Woche mit einer Vielzahl an Prospekten. Handelsmarken sind aktuell noch stärker gefragt.

Ernüchterung setzt dagegen bei denen ein, die hartnäckig an einen Wandel der Konsummuster geglaubt haben. Die Bioläden vermelden für den März einen Rückgang der Tagesumsätze um 18 %. Von Unverpacktläden ist zu hören, dass sie um ihre Existenz kämpfen müssen. Spargel oder Erdbeeren scheinen vor allem an den Wochenenden gefragt, wenn man sich ein kleines bisschen mehr »Luxus« gönnt.

Bedeutet das ein Scheitern der Nischen von hochpreisigen Lebensmitteln? Auch die DLG-Mitteilungen sind in der Vergangenheit nicht müde geworden, Betriebe mit besonderen Geschäftsmodellen aufzutun und zu porträtieren. Wir haben immer wieder geschrieben, dass in der Diversifizierung der Betriebe ein gutes Stück Zukunft liegt. Gilt das noch angesichts »ganz anderer Sorgen« in der Bevölkerung? Ich würde sagen: ja und nein.

Es gilt nicht, wenn man geglaubt hat, dass aus den Nischen ein Mainstream wird und der bio-regional-vegane Hofladen das Nonplusultra für Lieschen Müllers Wocheneinkauf wird. Das hat wohl auch vor Ukraine-Krieg und Energiepreissteigerungen schon nicht gestimmt. Aber in Zeiten von Corona, als alle sich zu Hause selbst versorgen mussten, weil die Restaurants geschlossen hatten, und man kein Geld für Urlaube und andere Vergnügungen ausgeben konnte, erwuchs ein wenig dieser Eindruck.

Dass die Nischen am Ende sind, stimmt aber nicht, wenn man sie weiterhin als das betrachtet, was sie immer waren und weiterhin bleiben werden: eine Chance für Landwirte, die sie besetzen können und wollen. Wenn der Standort des Betriebes passt, wenn das Konzept stimmig und innovativ ist, wenn Gesichter und Geschichten hinter dem Geschäftsmodell stehen, die begeistern können: Dann haben auch weiterhin die neuen und einfallsreichen Betriebszweige eine Chance und können eine höhere Wertschöpfung erwirtschaften.

Der Traum aber, dass in Deutschland eines Tages Nahrungsmittel in der breiten Bevölkerung einen höheren Stellenwert bekommen, wird ein Traum bleiben. Das zeigt die aktuelle Krise ganz deutlich.

 

 

 

 

Katharina Heil