Den Schaden tragen wir alle

Ansehen. Neulich in Evern bei Hannover: Ein junges Pärchen fragt im Rathaus nach, wem die Apfelbäume am Wegesrand gehören. Die seien frei, heißt es dort, sie könnten davon ernten. Das Pärchen freut sich und pflückt. Ein Passant kommt und bezichtigt sie des Diebstahls. »Aber die Stadt hat doch gesagt ...« Die Stadt habe hier nichts zu sagen, das seien Äpfel der Realgemeinschaft. Wieder zu Hause rufen sie den Bauern an, der die Realgemeinschaft vertritt, erklären den Vorgang, wollen die Äpfel zurückgeben oder bezahlen. Erneut werden sie des dreisten Diebstahls bezichtigt, und pampig legt der Bauer auf. Wie das Pärchen jetzt wohl über Landwirte denkt?

Vor wenigen Wochen in Norheim an der Nahe. Ein Winzer spritzt den Wingertrand mit Glyphosat ab. Gut sichtbar für jeden Spaziergänger, und derer gibt es viele, denn der Weg ist ein Weinwanderweg. Der Winzer erhält eine hohe Strafe. Aber der Schaden bleibt: Wie denken die vielen Weinwanderer jetzt wohl über Winzer?

Dieser Tage in Erlenbach bei Frankfurt. Auf einem Feldstück an einem viel begangenen Spazierweg liegt eine Rübenmiete. Das Feldstück leuchtet gelb – Glyphosat, für jeden sichtbar. Legal ja, aber völlig unnötig. Was denken die Spaziergänger wohl über Landwirte?

Drei Märchen aus vergangenen Tagen? Nein, ganz aktuelle Alpträume für alle Landwirte, die sich ein Bein ausreißen, dass unser Beruf wieder in einem besseren Licht erscheint, die den Dialog mit der Gesellschaft suchen. Vielleicht sind es exotische Fälle, aber kennt nicht ein jeder solche schwarzen Schafe? Daher dürfen wir nicht weg-sehen, sondern müssen das auch unter Kollegen ansprechen und uns offen davon distanzieren.

Dr. Christian Bickert