Öko braucht keine Quote

 Ausbauziele. Es ist kein ganz neues Phänomen, dass Politiker sich über Ziele streiten, deren praktische Umsetzung dann aber deutlich weniger Aufmerksamkeit erhält. Ein ebenfalls nicht ganz neues Beispiel für eine solche Fassadenpolitik ist der Ökolandbau. 30  % bis 2030 ist das Ziel. Erreichen will es die Koalition durch mehr Geld für das Bundesprogramm Ökolandbau, mehr Forschungsgelder und eine Erweiterung der Strategie auf die gesamte Bio-Wertschöpfungskette.

Da stellen sich gleich zwei Fragen. Erstens: Warum soll in den nächsten knapp zehn Jahren gelingen, was zwanzig Jahre zuvor nicht ansatzweise gelungen ist? Und zweitens: Ökolandbau-Förderung ist kein Selbstzweck. Dahinter stehen als eigentliche Ziele die Umwelt oder die Agrarstruktur. Aber wie gut eignet sich der Ökolandbau als Weg dorthin?

Weder unzureichende Verbraucherinformation noch fehlende Forschung sind der Grund für die (gemessen an den Zielen) überschaubare Öko-Realität. It’s the economy, stupid! In einigen Grünlandregionen Deutschlands sind die 30 % längst überschritten. Da passen die Produktionsbedingungen, die Verarbeitungsstruktur und der (relativ geringe) Mehrpreis für die Biomilch. Anderswo kommt der Ökolandbau auf keinen grünen Zweig und wird es nie kommen: Wenn die Ertragsabstände zu »konventionell« und/oder die Pachtpreise hoch und die Produktpreisabstände gering sind, rentiert sich Öko schlicht nicht. Dann entstehen wie im Falle Niedersachsens nur etwas mehr als 5 %. Die Konsequenz: Will man Öko wirklich fördern, dann entlang regionaler Schwerpunkte und nicht mit der Gießkanne.

Wen aber will man fördern? Den primär Prämien-orientierten Großbetrieb in Nordost-Deutschland? Eine »bäuerliche« Agrarstruktur im Südwesten? Oder den unter »EU-Bio« wirtschaftenden 20 000-Legehennen-Betrieb in Weser-Ems? Und was will man fördern? Sowohl die Vorzüge von »Bio« für das Tierwohl als auch der Beitrag zur Biodiversität sind in letzter Zeit mächtig ins Gerede gekommen. Das bedeutet nicht, dass es sie im Einzelfall nicht gibt. Aber eben nicht automatisch als Konsequenz eines »Systems Bio«.

Der Ökolandbau ist eine freiwillige Alternative für jeden einzenen Betrieb, seine Produkte eine für jeden einzelnen Konsumenten. Für die Agrarbranche ist er Impulsgeber und vielleicht auch »Stachel im Fleisch«, aber kein Ziel, das allein selig macht. 30 % Ökolandbau wäre sehr ineffizient und noch teurer. Die Ökolandwirte selbst finden im jeweiligen Umfeld schon ihren Weg. Sie brauchen keine Quoten.

Thomas Preuße