Verschärfung ohne Übergang

Tierarzneimittelverordnung. Der Antibiotikaeinsatz in deutschen Mastställen ist erheblich gesunken. Der bisher eingeschlagene Weg zur Reduktion ist also richtig. Trotzdem kommen nun weitere Verschärfungen auf die Tierhalter zu. Das bedeutet zusätzliche Bürokratie für Tierhalter und Tierärzte, und zwar innerhalb kürzester Zeit. Mitte Dezember verabschiedete der Bundesrat die Änderung des Tierarzneimittelgesetzes, das schon ab dem 1. Januar 2023 in Kraft tritt. Reichlich spät, und damit ist eine reibungslose Umsetzung für die Tierärzte unmöglich. Grund für den ganzen Mehraufwand ist die notwendige Anpassung an das EU-Recht. In der staatlichen Antibiotika-Datenbank müssen neben den Masttieren nun auch Milchkühe, Kälber, Zuchtschweine und Saugferkel sowie Legehennen registriert werden. Darüber stöhnen auch die Tierärzte. Denn sie sind nun statt des Tierhalters für das Melden des Antibiotikaeinsatzes zuständig. Prima, könnte sich jetzt ein Landwirt denken, weniger Arbeit für mich. Aber am Ende bezahlt er den Tierarzt für dessen zusätzlichen Aufwand. Während Schweine- und Geflügeltierärzte schon Erfahrungen mit der Meldepflicht sammeln mussten, ist der Mehraufwand für die Rinderspezialisten neu. Für die ohnehin oft dünn besetzten Tierarztpraxen ist die Dokumentationspflicht nur schwer zu bewältigen. Viele verfügen auch noch nicht über Softwarelösungen, die die Arbeit erleichtern. Und nur die Großen können es sich leisten, einen Tierarzt nur für Dokumentationsaufgaben ­abzustellen. Mit solchen Hau-Ruck Aktionen bremst man die ohnehin schon wenig gewordenen Tierarztpraxen aus. Das müssen dann am Ende die Landwirte und ihre Tiere ausbaden. 

Bianca Fuchs