Aktionismus ohne Sinn und Verstand

Tierhaltungskennzeichnung. Es ist zum Heulen. So drängend sind die Probleme der Tierhalter, so groß der Handlungsbedarf der Politik – und was ist jetzt auf dem Tisch? Eine staatliche Tierhaltungskennzeichnung, die die gute und allseits bekannte Haltungskennzeichnung des Handels ersetzen soll. Dabei wurde alles Wichtige zu dem Thema erst mal verschoben: keine Idee für ein praktikableres Baurecht, nichts Konkretes zur Herkunftskennzeichnung und offene Fragen, wann und ob die Gastronomie eingebunden wird. Daher wird sich nichts durch das neue Logo ändern – für die Verbraucher nicht und für das Tierwohl schon gar nicht.

Auch beim zentralen Punkt, der Finanzierung einer verbesserten Haltung, geht es nicht voran. Es gibt zwar »als Anschubfinanzierung« eine Tierwohl-Milliarde für die kommenden vier Jahre, um den Umbau der Tierhaltung und auch die laufenden Kosten der höheren Tierwohlstandards zu finanzieren. Aber was ist damit gemeint? Welche Tierarten betrifft es überhaupt? Alle? Das wären dann etwa 1500 € je Betrieb und Jahr. Und gibt es Kriterien, welche Maßnahmen mit welchen Beträgen ausgeglichen werden? Wie werden die Tierhalterzertifiziert? Gilt bei der Verteilung der Milliarde das Windhundprinzip? Immerhin soll es ja Anfang 2023 losgehen. Auch für diese Fragen gibt es mit der ITW schon ein gutes und allseits bekanntes System.

Es bringt gar nichts, bewährte Instrumente durch schlechte staatliche zu ersetzen – kein Tier wird dadurch anders gehalten als bisher.

Lisa Langbehn