Sicherheit oder Pokerspiel?

Düngermarkt. Im Februar 2021 verhandelte ich mit einem Lieferanten von Kalidünger, ob ein Preisaufschlag von 2,50 €/t für die Lieferung im Gliederzug statt im Auflieger gerechtfertigt sei oder nicht. Im August vergangenen Jahres stritt ich mich mit dem Händler darum, ob 4 € Lagergeld je t und Monat nicht arg übertrieben seien. Blicke ich heute darauf zurück, so kommen mir diese Zahlen wie geradezu paradiesische Zustände vor.

Heute sprechen wir davon, dass die Teilmengen eines LKW KAS im BigBag 50 € je t kosten sollen. Wir sprechen über Preisniveaus, nicht mehr über einstellige Zahlen. Natürlich lohnt sich heute jeder einzelne Euro genau so wie vor einem Jahr. Aber die Dimensionen haben sich radikal geändert. Bleibt das so? Wissen kann das niemand, aber ich befürchte es. Denn es geht längst nicht mehr nur um Kosten oder Preise, um Inflation oder Rezession. Es geht um Verfügbarkeiten. »Corona war zum Üben, jetzt wird es ernst«, – das sagte mir ein Düngerhändler bei meinen Recherchen für den Düngermarkt (Seite 76). Angesichts der vielen Werkstilllegungen könnte er recht behalten. Es gibt genug Dünger, aber für welchen Preis und in welcher Form? Mein Cousin, ein Großbäcker, sagte einmal: »Schlimmer als teure Vanille ist gar keine Vanille«. Heute weiß ich, dass er recht hatte.

Versorgungssicherheit ist ein neuer Aspekt in unserem Wirtschaften und kostet Geld. Panikmache, meinen Sie? Vielleicht haben Sie recht. Aber ich denke, wir sollten unsere Betriebsmittel (auch Pflanzenschutz) kaufen, wenn das Preisniveau passt. Spekulieren erscheint angesichts der aktuellen Preissprünge sehr chancenreich – aber es birgt ein noch viel größeres Risiko.

Dr. Christian Bickert