Der Handel treibt den Wandel

Haltungsform. »Keine Anbindehaltung« – so prangt es jetzt auch mit einem roten Button auf den Milchflaschen der Tierschutzmilch von Lidl und Netto. Bei Aldi ist dieser Hinweis schon etwas länger zu finden. Und innerhalb weniger Wochen ist dies das nächste Beispiel, wie der Handel die Tierhaltungsstandards setzt. Damit rauscht er schon wieder auf der Überholspur an der Politik vorbei. Die politische Diskussion über die Abschaffung der ganzjährigen (!) Anbindehaltung schwelt seit Jahren, scheitert aber immer wieder am Widerstand der Interessengruppen, vor allem an denen aus dem Süden.

Dem Handel ist dagegen vollkommen bewusst, dass sich diese Form der Milchviehhaltung auf lange Sicht nicht mehr rechtfertigen lässt und schafft Fakten, statt auf ein »natürliches« Auslaufen der Betriebe zu hoffen. Anders als wenn die Politik die Abschaffung durchgesetzt hätte, sind beim Handel aber keine langen Übergangsfristen von 20 Jahren zu erwarten. Der Umbruch wird hier schneller gehen und damit wohl erst recht zu den befürchteten Strukturbrüchen führen. Die Tatsache, dass die Händler auch für Milch ab dem kommenden Jahr eine Kennzeichnung der Haltungsform durchgesetzt haben, gibt die Richtung vor. Man muss kein Prophet sein, um abzuschätzen, dass auch aus den Milchregalen die Haltungsstufe 1 in den kommenden Jahren verschwinden wird.

Für die Landwirtschaft wird es höchste Zeit, den Wandel aktiv mitzugestalten. Denn natürlich muss es auch darum gehen, die aufwendigere Haltung dauerhaft bezahlt zu bekommen. Aber dann ist der Weg über die Labelprogramme nicht der schlechteste.

Katharina Heil