Herdenimmunität

 

Bio-Landwirtschaft. Tierhalter kennen den Begriff schon länger, aber spätestens seit Corona sind wir alle damit vertraut: Herdenimmunität. Wenn ein genügend großer Anteil einer Population resistent ist, breitet sich eine Krankheit nicht mehr epidemisch aus. Das gilt auch für Biobetriebe. Es lässt sich leicht als Biobetrieb wirtschaften, solange es genug Kollegen gibt, die ihre Felder in Ordnung halten, Insekten oder Pilze bekämpfen und von denen man billig Dünger in Form von Mist oder Gärrest kaufen kann. Das gilt auch für Verarbeiter, etwa Molkereien und Zuckerfabriken. Ohne konventionelle Rüben keine Fabriken und damit auch keine Biorüben. Man profitiert als Biobetrieb recht gut von den konventionellen Kollegen und kann sich so ganz nebenbei auf deren Kosten noch profilieren. Jedenfalls tun das die Bioverbandsvertreter oft und gerne.

Gereizt reagieren einige Biobauern aber auch, wenn die Grenzen verschwimmen oder sie gar konventionelle Kollegen in ihrem Nischenmarkt entdecken. So etwa jener Naturlandbauer, der eine Bloggerin in Marburg beschimpfte, die versucht, eine Brücke zwischen Bio und konventionell zu schlagen. »Konventionelle Produkte kann man nicht als gesund verkaufen«, so der um seinen Markt fürchtende Biobauer. Es mag ein Einzelfall sein, jedenfalls hoffe ich das.

Aber er zeigt die Grenzen auf. Nämlich da, wo regionale Produkte aus konventioneller Erzeugung mit Bioprodukten konkurrieren. Vor allem, wenn den Konsumenten Regionalität wichtiger ist als Bio. Herdenimmunität ist ja ganz schön, aber wehe, die ganze Herde will an die Tränke. Liebe Biobetriebe: Beleidigt sein hilft nicht, gewöhnt Euch lieber an die Konkurrenz!

Dr. Christian Bickert