Ein Umstieg muss anders aussehen

Agrarpolitik. Gemessen an der rhetorischen Welle, die das Umweltministerium im Vorfeld aufgebaut hatte, ist der Regierungsbeschluss zur Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2023 für die Landwirte moderat ausgefallen. Ja, die neue Politik verlangt ihnen zusätzliche Leistungen ab. Aber nein, dies ist kein »Systemwechsel«, noch nicht einmal der »Einstieg in den Umstieg«. Eher werden alte »Routinen« fortgesetzt, werden z. B. bisherige Greeningmaßnahmen sozusagen hochskaliert ohne die selbstkritische Frage, ob der ganze Aufwand überhaupt zu einem entsprechenden Ergebnis führt.

Die Biodiversitäts-Indikatoren jedenfalls haben sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verbessert. Möglicherweise liegt das Problem und damit die Lösung also im System, und es macht überhaupt keinen Sinn, den Landwirten immer mehr Auflagen der alten Art abzufordern? Getretener Quark wird breit, nicht stark.

Manche Umweltleute und Landwirte haben eines gemeinsam: Sie überschätzen ihre Kompetenz in der jeweils anderen Disziplin. Die Umweltfrau meint, sie könne über Landwirtschaft reden, weil sie mal einen Ökobetrieb besucht hat. Der Landwirt hält sich für einen Biodiversitäts-Experten, wenn er zwei Hektar Blühstreifen angelegt hat. Die Struktur von Politik und Verwaltung verstärkt diesen Gegensatz in Form getrennter Ministerien und Behörden. Wo das nicht der Fall ist, wo lokal die Kompetenzen von Landwirten und Naturschützern zusammenkommen, da finden wir funktionierende Beispiele eines guten Miteinanders.

Guter Artenschutz ist so anspruchsvoll wie guter Ackerbau. Künftig wird beides viel enger verzahnt sein müssen, und zwar nicht in Form bloßer Extensivierung wie im Ökolandbau, sondern eines beiderseits effizienten Systems. Denn Biodiversität kann in Form von Zwischenfrüchten oder Nützlingsreservaten durchaus direkt auf den Ackerbau einzahlen.

Man sollte auch ruhig mal den bisherigen Vorrang der »bunten Blumen« infrage stellen, denn weder die Honigbiene noch die Bestäubung der Kulturpflanzen ist in Europa das große Problem. Wichtiger wären viele kleine, permanente, miteinander verbundene Lebensräume für Wildbienen.

Solche Ansätze sind weder trivial noch umsonst. Ein echter »Umstieg« erfordert bessere Voraussetzungen für effiziente Maßnahmen: Vertiefung der fachlichen Grundlagen, Beratungsschwerpunkte, Kooperationsmodelle. Und nicht zuletzt einen Bezahlmechanismus, der den Landwirten konkrete Anreize bietet, statt ihnen nur »Erfüllung« abzuverlangen. Ihre eigentliche Aufgabe muss die Politik in den nächsten Jahren deshalb erst noch leisten.

Thomas Preuße