Mit wem wollen Sie tauschen?

Auflagen. »Jaja, in den anderen Ländern wird nicht so genau hingeschaut wie bei uns.« Das ist eine weitverbreitete Ansicht unter deutschen Landwirten wenn es um Auflagen wie die Dünge-Verordnung, Zulassungen für Pflanzenschutzmittel oder um das Tierwohl geht. Nicht immer ist diese Ansicht falsch. Fortwährende Notfallzulassungen von Neonic-Beizen oder gekoppelte Zahlungen gibt es bei uns nicht. Wir haben andere Ökostandards – Prozesskette statt Ergebnis wie in Italien. Aber steckt die deutsche Landwirtschaft damit in einem engeren Korsett als die anderer EU-Länder?

Ich meine nein. Deutschland und Rumänien kann ich aus eigener Erfahrung gut vergleichen. Die Dünge-Verordnung in Rumänien ist um einiges strenger als in Deutschland. Die Kontrollen im Rahmen der Prämienzahlungen für größere Betriebe sind keineswegs weniger penibel als bei uns. Es gibt bei uns Pflanzenschutzmittel, die es in Rumänien nicht gibt – und umgekehrt. Eine Pauschalierung der Mehrwertsteuer existiert in diesem Balkanstaat auch nicht, dafür aber sehr genaue Regeln, was das Vorhandensein von Verträgen und Lieferscheinen angeht. Das kenne ich von meinem deutschen Betrieb nicht. Und die Tierwohlkontrollen sind mit den unsrigen vergleichbar.

Jedes Land hat andere Hürden. Bei uns ist es vor allem die Ungerechtigkeit in Sachen Messnetze für rote Gebiete, aber das ist ein innerdeutsches Problem. Wir haben Nachteile gegenüber den Kollegen in Nachbarländern, was Notfallzulassungen für insektizide Pflanzenschutzmittel angeht. Aber wir haben auch Vorteile, von denen Italiener oder Rumänen nur träumen können. Die Landwirtschaft insgesamt stellt sich in Deutschland nicht schlechter dar als andernorts.

 

Dr. Christian Bickert