Bei der ASP läuft uns die Zeit davon

Seuchenbekämpfung. Ein Jahr Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland: Rückblickend ist der Versuch, ihrer Herr zu werden, ein Trauerspiel. In den Hauptrollen: Unwillen, Unfähigkeit und politisches Versagen. Fahrlässig war schon, nicht mit dem Bau des Zauns an der Oder direkt nach Auftauchen der ersten positiven Fälle auf der polnischem Seite der Grenze zu beginnen. Inzwischen ist er – fast fertig. Von entschlossenem Handeln und einer echten Eliminationsstrategie wie z. B. in Tschechien kann keine Rede sein. Fakt ist: Schweine in Freilandhaltung sind immer noch draußen, auch 2,5 km entfernt von ASP-positiven Wildschwein-Funden.

Viele Mitarbeiter der lokalen Behörden sind bemüht. Doch sie werden von Vorgesetzten und politischen Regularien ausgebremst. Die Umsetzung der Bekämpfungsmaßnahmen ist extrem bürokratisch. Staatliche Stellen verharren in gegenseitigen Schuldzuweisungen. Bis heute ist die vollständige Eliminierung noch nirgendwo angeordnet, obwohl dieses ein Auftrag des Staates ist!

Nicht nur, dass unsere Kollegen in den betroffenen Gebieten durch die ASP-Beschränkungen hohe zusätzliche Kosten haben. Die Schweinehaltung wird dort bereits reihenweise eingestellt – noch schneller als im Rest der Republik. Dass zudem die Verschleppung der ASP-Bekämpfung den politisch so vehement geforderten Umbau der Schweinehaltung unmöglich macht, scheint niemanden zu stören. Vielleicht begreift man die praktischen Konsequenzen auch nicht:

• Ohne Exportmöglichkeit im Moment und über Jahre fehlen bei der Vermarktung der Teilstücke mindestes 30 € je Schwein. Geld, das für Investitionen in Tierwohl fehlt.

• Mit steigender Produktion von Bio und Tierwohlfleisch ist auch dessen weltweite Vermarktung essentiell. Ohne diese Exportmöglichkeit gerät die vollständige Verwertung des hochwertigen Schweines zum bestmöglichen Preis in Gefahr. Wir werden von Ländern wie Spanien, die keine Beschränkungen im Export haben, aus dem internationalen Bio- und Tierwohlmarkt gedrängt. Ohne diese Exporterlöse wird Tierwohlfleisch in Deutschland so teuer, dass es in der Nische bleibt!

• Wo die ASP herrscht, sind Freiland und Auslaufhaltung verboten. Stroh und Raufutter dürfen dort nicht mehr eingesetzt werden. Es wird kein Fleisch der Tierwohlstufen 2 bis 4 aus ASP-Gebieten geben! Und das kann ganz schnell ganz Deutschland sein.

Robert van Asten