Gülleausbringung. Tschüss Kubikmeter, willkommen Kilos!

Die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen erfordern ein Umdenken beim Umgang mit Gülle. Da sind die Niederländer schon einen Schritt weiter als wir.

Beim Thema Güllemanagement können wir uns einiges von unseren niederländischen Nachbarn abschauen. Denn die Herausforderungen, die jetzt mit den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen auf uns zukommen, sind für sie nicht neu. So muss z. B. schon seit 2006 jeder einzelne Gülletransport gewogen, analysiert und dokumentiert werden. In der Praxis läuft das derzeit so, dass aus jedem Güllefass fünf Einzelproben entnommen werden, die dann als Sammelprobe georeferenziert und mit einem Barcode versehen ins Labor gehen. Durch die strengen Auflagen und den damit verbundenen Aufwand hat sich das Güllemanagement immer mehr zu einem professionellen Geschäft entwickelt, das inzwischen vorrangig in Lohnunternehmerhand ist.

Auch das Ausbringungsverbot im Herbst/ Winter, das Thema emissionsreduzierende Ausbringung von Gülle und die Nährstoffbilanzierungsvorschriften für Stickstoff und Phosphor sind für die Niederländer nicht neu. Darüber hinaus gibt es für jede Kultur Obergrenzen für die N- und P-Düngung. »Die größten Herausforderungen bei der Gülleausbringung sind die Logistik, die Bodenstruktur und eine zeitlich auf den Nährstoffbedarf der Pflanzen angepasste Düngung«, meinte Dr. Jan Huijsmans von der Universität Wageningen auf der Tagung »Land.Technik für Profis« der DLG und des VDI-Fachbereichs Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik. Daher arbeiten die Niederländer schon seit einigen Jahren mit emissionsmindernden Techniken. Dabei werden flüssige Wirtschaftsdünger nach der Ausbringung sofort eingearbeitet oder direkt in den Boden injiziert.
»Unsere Versuche haben deutlich gezeigt, dass die Ammoniakemissionen bei direkter Einarbeitung bzw. bei Injektionsverfahren statistisch nachweisbar geringer sind als bei der Gülleausbringung mit Breitverteilern«, so Huijsmans. »Gleichzeitig konnten durch die Nutzung emissionsmindernder Technik höhere Erträge erzielt werden.«

»Weg von Kubikmetern, hin zu Kilos. Nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in Deutschland müssen wir künftig in diese Richtung denken, wenn wir die augenscheinlichen Probleme in den Griff bekommen wollen«, meint Jørgen Audenaert von der Firma John Deere. Es geht also darum, die auszubringende Nährstoffmenge möglichst präzise an den Pflanzenbedarf anzupassen, um Verluste weitgehend zu vermeiden. »Bei organischen Düngern ist das natürlich schwieriger als bei mineralischen. Aber sie bieten dennoch erhebliche Potentiale zur Kosteneinsparung, Ertragsoptimierung und Humusbildung«, ist Audenaert überzeugt. Das größte Problem sei nach wie vor, dass Gülle für viele Ackerbauern unattraktiv ist, da man nie genau weiß, »was wirklich drin ist«. 

Eine deutliche Verbesserung verspricht hier die Echtzeitmessung der Nährstoffgehalte in der Gülle bei der Ausbringung mittels Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIR). Dabei sammelt ein entsprechender Sensor, der am Tankwagen befestigt wird, kontinuierlich Informationen über die Güllezusammensetzung und leitet diese an das Traktorterminal weiter. Die Technik an sich ist nicht neu. Sie kommt bereits seit einigen Jahren bei Feldhäckslern zur Bestimmung von Inhaltsstoffen im Erntegut zum Einsatz. Die Firma Zunhammer hat zur Agritechnica 2007 als Erstes die Technik so weiterentwickelt, dass sie in einen Güllewagen integriert werden kann. Inzwischen bieten auch andere Hersteller NIRS-Systeme an. Und die Messgenauigkeit wird immer besser. »Die Kalibrierung der Systeme ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Die Anbieter arbeiten nach wie vor eifrig an der Feinjustierung«, berichtet Jørgen Audenaert. 

Der Lohnunternehmer Arthur Stassen aus Sittard in den Niederlanden testet das Verfahren bereits in der Praxis. »Das Potential dieser Technik ist groß«, sagt er. »Gerade für die abnehmenden Ackerbauern ist es wichtig, die Nährstoffgehalte in der Gülle zuverlässig zu bestimmen, zu dosieren und zu verteilen. Und auch die Dokumentationspflichten würden sich damit leichter erfüllen lassen.« Noch ist das Verfahren in den Niederlanden nicht ausreichend für die Dokumentation. »Aber mit dem weiteren Feintuning wird sich das eventuell bald ändern«, hofft Stassen. 

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