Liquidität geht vor Rentabilität  ...

... diese Regel lernt jeder Landwirt schon in der Ausbildung. Bernd Lührmann und Rainer Möller beschreiben, wie Sie mit einem einfachen Hilfsmittel einen geschickten »Finanzierungsmix« aufbauen.

Webinar-Aufzeichnung: Worauf Sie bei der Finanzierung achten sollten und wie Sie auch schwierige Bankgespräche meistern, zeigt Bernd Lührmann in diesem Video.

Unter dem stetig wachsenden Veränderungsdruck die passende Finanzierung zu finden, ist nicht immer leicht. Es ist ein höheres Maß an Flexibilität gefragt. Im Fokus steht eine nachhaltige ­Kapitaldienstfähigkeit mit ausreichend Reserven – dem muss sich die Finanzierungsform stets unterordnen. Immer wieder muss eingegriffen werden, um die Liquidität den neuen Rahmenbedingungen anzupassen. Deshalb ist es wichtig, das Vertrauen der Banken durch professionelles Verhalten zu gewinnen und zu bewahren. Wichtiger Nebeneffekt sind günstigere Konditionen: Mit einem 0,20 % niedrigeren Zinssatz sparen Sie bei einem Ratendarlehen über 250 000 € in zehn Jahren Laufzeit immerhin 2 500 € Zinskosten.  

Bei der Finanzierungsdauer müssen Sie einen Kompromiss finden. Je länger die Kreditlaufzeit ist, umso höher sind die zu zahlenden Gesamtzinsen, und die Rentabilität sinkt. Wählen Sie einen tragfähigen Kapitaldienst, den Sie zuverlässig – auch in schlechten Zeiten – bedienen können. Übertriebener Ehrgeiz ist hier fehl am Platz. Denn ein zu hoher Kapitaldienst bei kurzer Darlehenslaufzeit schränkt die ­Liquidität erheblich ein. Vereinbaren Sie besser eine Sondertilgungsoption, um sich in wirtschaftlich guten Zeiten frühzeitig von Verbindlichkeiten zu lösen. Orientieren Sie sich an folgenden Regeln:

  • Das Anlagevermögen (Boden, Gebäude, Maschinen) sollte durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital gedeckt sein.
  • Die Darlehenslaufzeit sollte sich an der Nutzungsdauer des Anlagevermögens orientieren und diese nicht übersteigen. Wenn Nutzungs- und Finanzierungsdauer gleich sind, entspricht die Abschreibung beim Ratendarlehen dem Kapitaldienst.

Beispiel. Unser Milchviehbetrieb melkt mit 200 Kühen plus Nachzucht 2 Mio. kg Milch pro Jahr. Er hat in den vergangenen Jahren immer wieder investiert. Die Gesamtschulden aus insgesamt zwölf Darlehen lagen zum 31. Dezember 2020 bei 623 000 € (siehe Übersicht 1). Der jährliche Kapitaldienst für Zins und Tilgung beträgt derzeit 97 000 €. In guten Jahren ist das zu schaffen. Aber durch die Trockenheit der vergangenen drei Jahre kam es zu unplanmäßigen Belastungen.

Häufiger Fehler: Nutzung von Kontokorrent- oder Händlerkredit. Diese (zu) ehrgeizige Finanzierung führt aufgrund der erhöhten Kosten für Futterzukauf und  Grünlandnachsaat bei unserem Beispielbetrieb zu Schwierigkeiten. Neben der Rentabilität (Gewinn) ist auch die Liquidität (Cashflow) gesunken, da die Milch­preise die zusätzlichen Kosten nicht ausgleichen. In dieser Phase rutschte das Girokonto ins Minus und der Betrieb nutzte Händlerkredite, indem er Rechnungen später bezahlt hat. Das war zwar bequem, weil er – innerhalb bestimmter Grenzen – niemandem erklären musste, warum er Geld benötigt. Dafür sind die Zinsen mit
5 bis 10 % aber sehr hoch.

Umfinanzierung bringt Spielraum. In unserem Beispielbetrieb haben sich Kontokorrent- und Händlerkredite in Höhe von 100 000 € angesammelt. Bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 7,5 % macht das 7 500 € Zinsen pro Jahr. Skonto wurde nicht mehr genutzt, sondern jede Rechnung so spät wie möglich bezahlt. Die Lieferanten wurden ungeduldig und haben Preisaufschläge verlangt. Aber auch der Betriebsleiter wollte die kurzfristigen Verbindlichkeiten so nicht fortführen. Folglich suchte er das Gespräch mit seiner Hausbank und stellte ihr zusammen mit seinem Berater den letzten Jahresabschluss, ergänzt um betriebswirtschaftliche und produktionstechnische Auswertungen zur Verfügung. Zum Schluss legte er seine Vorstellungen zur Umfinanzierung auf den Tisch. Darin unterstellte er ein Neudarlehen zur Ablösung der kurzfristigen Verbindlichkeiten von 100 000 € und 50 000 € zur Finanzierung der Außenwirtschaft der kommenden Monate. Bei einem Zinssatz von 1,5 % kann er seine monatliche Zinsbelastung von 625 € (7 500 € p. a.) auf knapp 188 € (2 250 € p. a.) senken. Und das sogar bei Vorfinanzierung des kommenden Frühjahres. Natürlich erwartet die Hausbank eine Rückführung des Darlehens. Diese ergibt sich aber bereits zu einem Gutteil aus der Zinsersparnis.

Bernd Lührmann, LK Niedersachsen und Rainer Möller, Möller Agrarmarketing, Stade

Aus DLG-Mitteilungen 3/21. Den vollständigen Artikel als pdf finden Sie hier.