Portrait. Larven fürs Tierfutter

Importsoja in der Fütterung wird vielfach kritisiert. Warum also nicht ein hochwertiges Proteinfuttermittel auf den Betrieben erzeugen und damit am besten auch noch Abfälle verwerten? So lautet das Konzept eines Münchener Start-up.

Nachhaltige und regionale Erzeugung, Kreislaufwirtschaft und Tierwohl: Das sind auch die Ziele der Gründer, die hinter dem Start-up »FarmInsect« stecken. »Als Proteinfuttermittel werden vor allem Soja und Fischmehl eingesetzt, die zu 90 % importiert werden müssen und einige Probleme mitbringen«, sagt Gründer Thomas Kühn. Neben der hohen Abhängigkeit und damit möglichen Versorgungsengpässen sieht der Münchener vor allem die Umweltfolgen kritisch. »Viele Fischgründe sind überfischt. Und auch die Anbauflächen für Soja sind begrenzt. Hinzu kommen lange Transportwege«, so Kühn.
Gemeinsam mit zwei weiteren Gründern rief er 2018 die Firma ins Leben. 2017 wurden Insekten für die Fütterung von Schweinen, Hühnern und Fischen zugelassen. »Aktuell dürfen Insekten an alle drei Tierarten lebend verfüttert werden. Für Fische gibt es auch bereits eine Zulassung, Insekten im verarbeiteten Zustand einzusetzen, beispielsweise als Pellets. Wir rechnen damit, dass diese Zulassung im Laufe des Jahres auch noch für Hühner und Schweine kommt«, sagt der Gründer.

FarmInsect nutzt die Schwarze Soldatenfliege. Denn Ziel ist eine regionale Kreislaufwirtschaft und damit die Verwendung von Reststoffen als Futtergrundlage. Mittlerweile hat das Unternehmen in zahlreichen Versuchen gute Erfahrungen gesammelt, welche Unterarten des Insektes und welche Futtermischungen besonders gut zusammenpassen und eine hoch effiziente Proteinproduktion ermöglichen.
Optimalerweise stellen Betriebe, die an der Verfütterung der Larven interessiert sind, die Produktionsanlage z. B. in einem Altgebäude auf. Die Anlage besteht aus einem Mischtopf, dem Futteraufbereiter, einem Roboter, der Larvenkisten auf ein Sieb entleert und zum Wiederbefüllen unter den Futteraufbereiter bringt, sowie Klimakammern. Die Junglarven werden wöchentlich von Farm­Insect neu geliefert. Sie können z. B. an die jeweilige Futtergrundlage angepasst werden. Die Larven kommen gemeinsam mit dem Substrat, das Futter und Wasser für eine Woche beinhaltet, in die Klimakammern. Ein Computer überwacht Feuchtigkeit, Temperatur und CO2-Gehalt in den Kammern und steuert notfalls nach. Einmal wöchentlich kann dann »geerntet« werden. In dieser Woche haben die Insekten ihr Gewicht um das 250-fache vermehrt.

Die Größe der Anlagen variiert zwischen 250 und 875 t Larven/Jahr, die geerntet werden können. Als Futter kommen Reststoffe, wie Kleie, Gemüsereste oder Altbrot in Frage. Aber auch Gras oder minderwertige Pflanzenreste sind möglich. »Eine Anlage mit 250 t Jahresernte lohnt sich für Betriebe, die etwa 1 000 Schweine halten oder 5 bis 10 000 Hühner. Je nachdem, wie hoch der Anteil der Larven an der Futtermischung sein soll«, sagt Kühn.
Dass die Fütterung der lebenden Larven auch für das Tierwohl Vorteile hat, haben verschiedene Studien in jüngster Zeit zeigen können. So gehen Schwanzbeißen und Federpicken zurück. »Das entspricht einfach eher einer artgerechten, natürlichen Fütterung«, ist Kühn überzeugt. Er sieht damit in den Insekten nur Vorteile in der Fütterung: Für die Umwelt, den Landwirt, der hochwertiges Futter aus Abfällen produzieren kann, und nicht zuletzt für die Tiere.

Katharina Heil

Aus DLG-Mitteilungen 8/21. Den Beitrag als pdf-Datei finden Sie hier.