Laufhof. Raus an die Luft

Mehr Tierwohl und Zuschläge beim Milchgeld – deshalb überlegen viele Landwirte, einen Laufhof zu bauen. Doch die Hürden bei Planung, Baurecht und Gestaltung können hoch sein. Was Sie dabei beachten müssen, zeigt Simone Hamann-Lahr.

In der Tierwohldebatte gehören mehr Komfort und höhere Standards in den Ställen zu den wesentlichen Forderungen. Dabei ist der Auslauf ein Aspekt. Ob es sich dabei um Laufhöfe, Ausläufe oder Außenflächen handelt, ist zweitrangig. Das Ziel ist immer ein Flächenangebot unter freiem Himmel, welches den Tieren durch die zusätzlichen Außenklimareize ein Mehr an Wohlbefinden und Gesundheit ermöglichen soll. Stress, der in einem beengten Stall entstehen kann, soll verringert werden. Man erhofft sich Leistungssteigerungen durch eine Anregung des Stoffwechsels und demnach eine erhöhte Futteraufnahme.
Bauliche Gründe für einen Laufhof könnten die Verbindung zwischen Alt- und Neubauten sein oder die spätere Option auf eine Stallerweiterung an der Stelle des Auslaufes. Durch einen Laufhof erhält ein Stall Ausweichflächen, die die Arbeit im Inneren entlasten können.
Aus planerischer Sicht ist eine Ausrichtung nach Südosten der Idealfall. Dort erreicht eine gleichmäßige Sonneneinstrahlung die Tiere, es wird am Nachmittag aber nicht zu heiß. Auf der Westseite ist in der Regel die Wind- und Regenbelastung am größten. Hier sollte ein Windschutz, vielleicht als Begrünung, vorgesehen werden. Wenn ein zu starkes sommerliches Austrocknen in südlicher Richtung zu befürchten ist, kann eine Befeuchtung Abhilfe schaffen. Je nach Rahmenbedingungen sind auch Teilüberdachungen möglich. Die Attraktivität eines Laufhofes wird durch zusätzliche Nutzungsanreize wie Tränken, Putzbürsten oder Heuraufen erhöht. Wichtig ist es, Sackgassen zu vermeiden und ausreichend und genügend breite Zugänge vorzuhalten.

Welche Herausforderungen gibt es? Schwierigkeiten können nötige Durchgangsbreiten oder die Entmistung bereiten. Beispielsweise werden wahrscheinlich Tierplätze entfallen, um den Auslauf an der Längsseite anzugliedern (Kasten). Zu prüfen ist, ob die Geländeneigung und der Platz einen Laufhof überhaupt zulässt. In diesem Zusammenhang ist die gewünschte Größe entscheidend. Diese lässt sich aus den jeweils geltenden Vorgaben ableiten, welche betriebsindividuell zu klären und festzulegen sind.
Da ein Auslauf immer auch den Niederschlägen ausgesetzt ist, müssen die vorhandenen Güllelagerkapazitäten ausreichen. Dabei geht es dann automatisch auch um Möglichkeiten zur Entmistung. Es ist zudem zu klären, ob sich die Emissionssituation so verschlechtert, dass mit Schwierigkeiten oder Ablehnung seitens einer Genehmigungsbehörde im Hinblick auf den Schutz der benachbarten Wohnbebauung zu rechnen ist. Zu guter Letzt ist es natürlich ein betriebswirtschaftliches Thema, ob oder wie sich die nötige Investition dann lohnen wird. Diese Punkte sollen im Folgenden vertieft unter die Lupe genommen werden.

Wohin soll der Auslauf?

Ein Laufhof kann entlang der traufseitigen Längsseite, stirnseitig oder innerhalb des Stalles platziert werden (Übersicht). Für die seitliche Anordnung spricht die einfache Entmistung mit einem zusätzlichen Schieber, der den Laufhof sauber halten kann. Hier muss beachtet werden, ob die erforderliche Breite noch mit einem Schieber abgedeckt werden kann. Der Vorteil ist hier ebenfalls, dass verschiedene Tiergruppen im Stall – falls vorhanden – einen eigenen Zugang zum Laufhof bekommen können und auch die Futter­rationen dementsprechend zugeordnet werden können.

Alternativ dazu kann ein Laufhof an der Stirnseite eines Stalles überlegt werden. Hier könnte eine spätere Stallverlängerung auf dem Auslauf eine Motivation sein. Es muss dann aber auch wieder Ersatz für den Wegfall an anderer Stelle geschaffen werden. Diese Ausgestaltung ist am ehesten bei einer Tiergruppe im Stall anzuraten, da z. B. der Durchtrieb durch trockenstehende Tiere am Stallende keine Lösung ist.
Eine weitere Möglichkeit könnte das Trennen des Liege­bereichs vom Futtertisch mit einem dazwischenliegenden Laufhof sein. Hier ist der Vorteil des gruppenbezogenen Angebots ähnlich dem seitlichen Laufhofes. Allerdings ist hier die Attraktivität sicher am höchsten, weil die Tiere über den Laufhof gehen müssen, um zum Futtertisch zu gelangen. Die Förderfähigkeit von innen liegenden Laufhöfen sollte möglichst frühzeitig abgeklärt werden.
Ob bzw. welche Kombinationen mit anderen Stallbereichen (Warteraum zum Melken, Fütterung) sinnvoll sind, muss anhand der Planungen und Vorstellungen diskutiert werden. Im Ergebnis müssen die Gesamtflächen ausreichend groß sein, um den Vorgaben zu genügen.

Die Bau- und genehmigungsrechtlichen Aspekte für Ausläufe regeln sich nach den jeweiligen Landesbauordnungen der Bundesländer. In Rheinland-Pfalz fallen diese beispielsweise unter die Baugenehmigungsfreiheit, d. h., beim Anbau »nur« eines Auslaufes – unabhängig von der Größe – ist grundsätzlich kein Bauantrag nötig. Damit soll die nachträgliche Ergänzung eines Stalles um einen Auslauf erleichtert werden. Hierbei ist vorauszusetzen, dass es sich um ein privilegiertes landwirtschaftliches Bauvorhaben im Sinne des Baugesetzbuches handelt. Falls jedoch eine gesamte Maßnahme einschließlich Ausläufen geplant ist, sind diese beim Bauantrag auch mit zu erfassen.
Die Baugenehmigungsfreiheit bedeutet nicht automatisch, dass überhaupt keine Genehmigungen einzuholen sind. Vor der Investition ist die Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde nötig. Die zuständigen Bauaufsichtsbehörden können im Einzelfall Auskünfte zu den richtigen Verfahren geben. Emissionsrechtliche Aspekte werden im Rahmen eines Baugenehmigungs- oder BImSchG-Verfahrens geprüft.
Bei Genehmigungsfreiheit entfällt dieser Auftrag, allerdings könnte hier Konfliktpotential entstehen, wenn sich ein geplanter Auslauf zu nah an einer angrenzenden Wohnbebauung befindet. Je geringer die Abstände sind, umso wichtiger ist es, dass der Landwirt diese Frage mit den Behörden abklärt.

Grundsätzlich ist die Geruchsbeurteilung von Ausläufen aber (noch) nicht bundeseinheitlich geregelt. Für Rheinland-Pfalz gibt es eine Vereinbarung zur Beurteilung der Emissionen auf Fachebene. Auf Grundlage der VDI 3894 »Emissionen und Immissionen aus Tierhaltungsanlagen« besteht landesweit Konsens, dass 10 % der Quellstärke des eigentlichen Stalles, dessen Tiere den Auslauf nutzen, dem Auslauf zusätzlich zuzurechnen sind. Der Flächenschwerpunkt des Auslaufes wird dann als weitere Emissionsquelle mit diesem Wert angenommen.
Mit diesen beiden Daten kann eine Beurteilung anhand der VDI 3894 durchgeführt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass sich der Emissionsschwerpunkt des eigentlichen Stalles »leicht« in Richtung Auslauf verschiebt. Sonstige umweltrelevante Emissions- und Immissionsbeurteilungen finden spätestens dann statt, wenn die Stallanlage als BImSchG-Betrieb zu genehmigen ist. Erst wenn das der Fall ist, sind Fragen hinsichtlich Ammoniakemissionen und die Bedeutung für die Menschen, die Luft und weitere Ökosysteme zu prüfen.
An dieser Stelle zeigt sich, dass hier zwei gegenläufige Bestrebungen unter einen Hut zu bringen sind. Denn aus dem Blickwinkel der Emissionen ist der Auslauf umso optimaler, je kleiner er ist.

Wie plant man? Hierfür sind die betrieblichen Rahmenbedingungen entscheidend. Soll der Auslauf im Rahmen der einzelbetrieblichen Förderung realisiert werden? Ist der Betrieb ökologisch wirtschaftend gemäß EU oder einem Bioverband? Entsteht eine Notwendigkeit, weil die Öko-Rindermast im Endmaststadium nun auch Ausläufe vorhalten muss? Gehört der Betrieb einem anderweitigen Siegel an, aus dem es Vorgaben zu erfüllen gilt? Geht es um die Regeln, die in den neuen Haltungsstufen des Handels zugrunde gelegt sind? Je nachdem ergeben sich unterschiedliche Maße und Eigenschaften eines Auslaufes (Übersicht 1).
Grundsätzlich gibt es fast immer Vorgaben zu den Mindestgrößen, dem Überdachungsanteil, der Laufflächenausgestaltung in Form von Planbefestigung oder möglichem Spaltenanteil, der seitlichen Ausgestaltung und den Zugängen.

Bodengestaltung, Emissionen und Entmistung. Als Boden ist ein trittsicherer und wasserundurchlässiger Aufbau erforderlich. Hier wird sich aus den erwähnten Emissionsgründen sicher in Zukunft noch einiges entwickeln, um die Umwelt- und Tierschutzinteressen zu vereinen. Als planbefestige Flächen eignen sich grundsätzlich die gleichen Beton- oder Asphaltflächen wie innerhalb des Stalles. Diese müssen im Unterbau ausreichend standsicher aufgebaut werden, um dauerhaft unter Belastungen gut zu funktionieren. Dies ist wichtig, um einen Schieber oder die Entmistung sauber einsetzen zu können und um die Wasserundurchlässigkeit zu gewährleisten.
Das Gefälle läuft innerhalb der Flächen zu einem Sammelpunkt, der dann an einen Güllebehälter oder ein anderes Lager angeschlossen ist. Es ist eine Aufkantung vorhanden, damit nichts von den Verunreinigungen der Ausläufe nach außen dringen kann. Spaltenanteile können, je nach Vorgabe, zulässig sein. Es zeichnen sich bereits Neuentwicklungen im Bereich Spalten, Schieber und Laufflächen ab, die die emissionsmindernden Aspekte besser berücksichtigen könnten. Beispielsweise ist das Ziel dabei, die möglichst schnelle Trennung von Kot und Harn mittels sogenannter Harnrinnen.
Je nach Platzierung des Auslaufs zum Stall und der Geometrie kann die Entmistung planbefestigter Flächen unterschiedlich organisiert werden. Bei einer Verlängerung an der Stirnseite könnten die im Stall vorhandenen Schieber die Laufflächen zum Teil mit entmisten. Es bleiben allerdings die Flächen zwischen den Laufgängen übrig, die separat gereinigt werden müssten. Möglich ist auch das Entmisten der gesamten Fläche mit einem Schlepper. Dann ist der Flächenzuschnitt zweitrangig. Weitere Varianten sind Entmistungsroboter, Güllesammler oder das Entmisten von Hand. Der Abwurfschacht muss so platziert werden, dass eine Anbindung an andere Gülleableitungen wie Querkanäle oder Rohrleitungen eingerichtet werden kann.
Die Trittsicherheit der Flächen entsteht z. B. bei Fertigelementen über ein Rautenmuster im Material an sich. Bei Ortbeton kann ein sogenannter »Opferbeton« bei späteren Fräsverfahren wieder für Rauheit sorgen. Mitunter werden die Laufflächen auch mit Häcksel eingestreut. Allerdings ist dann zu überlegen, welches Gemisch im Ergebnis entsteht und wie dieses wieder weiterverwertet werden kann. Die Einzäunung entspricht der einer Weideeinzäunung. Je nach Standort des Auslaufs zu nahe gelegenen Gefahrenquellen, wie z. B. Straßen oder Bahnlinien, entstehen unterschiedliche Risikobereiche. Demnach sind Fest- und Elektrozäune zu kombinieren. Es macht auch einen Unterschied, ob Milchkühe oder Bullen eingezäunt werden müssen.

Wie viel Wasser muss gesammelt werden? Eine wesentliche Begleiterscheinung eines Laufhofes ist das Entstehen von verunreinigten Niederschlägen. Sobald die Auslauffläche nicht überdacht ist, muss der Regen, der auf dieser Fläche auftrifft, in einem Jauche- oder Güllebehälter aufgefangen werden.
Die Fläche ist somit ein weiterer Faktor innerhalb der Berechnung der Lagerkapazitäten, die für einen Betrieb erstellt werden muss. Hierfür benötigt man die Fläche in m² und das langjährige Mittel der örtlichen Niederschläge. Davon können 15 % als Verdunstungsanteil abgezogen werden. Die Mengen sind gemäß Düngeverordnung für ein halbes Jahr zu planen. Der Auslauf erfordert dann wieder einen Behälter. Wäre z. B. eine Fläche für 100 Kühe mit 300 m ² in einem Gebiet mit 750 mm jährlichen Niederschlägen zu planen, würde der Behälter alleine für diese Niederschläge 96 m ³ benötigen (Übersicht 2).

Was kostet die Investition in einen Laufhof? Schon bei  ersten Planungsüberlegungen sollten Sie die Kostenrichtwerte betrachten. Diese können z. B. über die Bruttogrundrissfläche (BGF) veranschlagt werden. Anhand von Richtpreisen aus der ALB Hessen bzw. des KTBL (Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft) kann eine Kosteneinschätzung erfolgen.
Aktuell ist zu beobachten, dass sich die Baukosten nur schwierig fassen lassen beziehungsweise stark steigen. Im Jahr 2021 betrug die Baupreissteigerung gemäß offiziellem Baupreisindex beachtliche 15 % im Mittel. Und je nach Gewerk waren die Steigerungen sogar noch höher. Grundlegende Kostenfaktoren sind in der Regel die Erd- und Beton- bzw. Asphaltarbeiten einschließlich einer Aufkantung. Darüber hinaus fallen Kosten für die Einzäunung des Laufhofs und eventuell für die Schieberentmistung an.  Je nach betrieblichen Gegebenheiten ist dann noch zusätzlicher Güllelagerraum nötig und ein Querkanal muss vielleicht angepasst werden. Zu bedenken ist außerdem, dass das Stallgebäude in einigen Fällen länger sein muss als ein Stall ohne Laufhof. Der Grund ist, dass durch die nötigen Zugänge zum Auslauf Boxen entfallen. Beim Betrachten der Richtwerte des KTBL zeigt sich, dass sich mit zunehmender Größe eine Kostendegression ergibt. Dabei geht es um eine Spanne von 390 bis 510 €/m ² BGF. Im Mittel bedeutet das also ein Kostenansatz
450 €/m² BGF netto.

Fazit. Die Entscheidung für einen Auslauf ist immer betriebsindividuell abzuwägen. Es spielen sowohl bauliche als auch betriebswirtschaftliche Aspekte hinein. Empfehlenswert ist der genauere Blick auf die Zahlen und die individuellen Möglichkeiten als Basis für eine Entscheidung.

Simone Hamann-Lahr, Bauberatung Milchviehhaltung, LWK Rheinland-Pfalz, Bad Kreuznach

Aus DLG-Mitteilungen 6/22. Den Beitrag als pdf-Datei finden Sie hier.