Sechs Punkte für eine gute Strategie

 

Ackerbau. Wer es zu etwas bringen will in der Politik, muss Themen besetzen, die in der Öffentlichkeit als relevant gelten. Bundeskanzlerin zum Beispiel wird man nicht mit Ackerbau und Viehzucht, sondern eher mit Biodiversität und Bienen. Kein Wunder also, dass man in Berlin – gefühlt – nur noch diese Dinge adressiert. Auch in einem Ministerium, das »Landwirtschaft« im Titel trägt.

Dieses Ministerium arbeitet gerade an einer Ackerbaustrategie. Die ist von vornherein politisch angelegt, denn ihr Ausgangspunkt war nicht zuletzt der Wunsch, Alternativen für Glyphosat aufzuzeigen. Herauskommen dürfte aber ein deutlich weiter gespannter Bogen. Wenn die Anzeichen nicht täuschen, unternimmt das BMEL den Versuch, neben den Interessen der Landwirte möglichst viele gesellschaftliche Anforderungen zu berücksichtigen. Das wird dessen Strategie von der Ackerbaustrategie der Agrarverbände deutlich unterscheiden. Falsch ist das nicht. Doch was müsste eine »gesellschaftliche« Ackerbaustrategie berücksichtigen, damit auch Landwirte sie unterschreiben könnten? Ein paar Ideen dazu am Beispiel Biodiversität – mit viel Idealismus und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Erstens müssen Ziele klar abgegrenzt werden. Wo findet Ackerbau statt, wo Biodiversität? Mit Blick auf Bodenleben und Durchwurzelung sollte man beides auf einer Fläche kombinieren. Oberirdisch ist es wohl zielführender, Ackerflächen von Blühstreifen zu trennen.

Zweitens müssen die EU-Prämien direkt auf solche Ziele ausgerichtet sein. Biodiversität muss besser und konkret entlohnt werden. Sie ist kein kostenloses »Nebenprodukt« der Ackernutzung.

Drittens sollte die Politik nicht nur Maßnahmen fördern, sondern Anreizsysteme stärker vom Ergebnis her entwickeln. Bewertungsansätze in Form von Indikatoren und Punktesystemen gibt es.

Viertens muss bei Bedarf Flexibilität möglich sein. Landwirte müssen mehr als bisher Vielfalt managen. Sie brauchen dazu einen gut ausgestatteten Werkzeugkasten einschließlich chemischer Pflanzenschutzmittel, was nicht »Vorfahrt für Gift« bedeutet. Flexibilität bedeutet aber auch, zwischen »Landwirtschaft« und »Biodiversität« auf einer Fläche wechseln zu dürfen.

Fünftens müssen Staat und Branche in Ausbildung und Beratung massiv investieren. Biodiversität und übrigens auch integrierter Pflanzenschutz funktionieren »draußen« in der Regel nur, wenn ein Berater dem Landwirt zur Seite steht.

Sechstens darf nicht der Ökolandbau (auch in Bezug auf die Biodiversität) ständig als Ideal hingestellt werden. Den Nachweis muss auch er konkret führen. Jede Ackerbaustrategie muss beim Landwirt somit zumindest Bereitschaft wecken, idealerweise Begeisterung hervorrufen. Sie sollte motivieren, nicht regulieren. Sonst bleibt sie ein Papier, dem ohne Zwang niemand folgt. Und das Landwirte selbst unter Zwang umgehen wollen, wo sie nur können.

 

Thomas Preuße