Zuversichtliche Prognosen

 

Bayer. Der Kauf von Monsanto scheint nicht mehr nur am Image von Bayer zu kratzen, sondern auch zu einem immer größeren Zukunftsrisiko für das Unternehmen zu werden. Eine Jury des Bundesbezirksgerichts in San Francisco hat entschieden, dass Monsanto bzw. Bayer für die Krebserkrankung des US-Amerikaners Edwin Hardeman haften muss. Die jahrelange Anwendung von Roundup bzw. Glyphosat habe „einen erheblichen Faktor bei der Entstehung der Erkrankung ausgemacht“, so das Urteil. Nun muss der Bayer-Konzern umgerechnet 71 Mio. € Schadensersatz zahlen. Peter R. Müller, seit dem 1. Januar 2019 neuer Bayer CropScience Deutschland-Geschäftsführer, reagierte allerdings gelassen auf die Frage, ob Bayer im Zuge des gefallenen Aktienkurses selbst zum Übernahmekandidaten werden könnte. Aus seiner Sicht sprechen drei entscheidende Punkte dagegen. Zum einen entwickle sich das Geschäft seit der Integration von Monsanto gut. Die aktuell niedrigen Börsenkurse gäben hier ein verzerrtes Bild wieder. Darüber hinaus machen nach Ansicht Müllers die Prozessrisiken Bayer „unattraktiv“ für einen Käufer. Und zum dritten ist Bayer ein integrierter Life-Science-Konzern. Ein potentieller Käufer müsste entweder das „Gesamtpaket“ nehmen, oder den Konzern aufsplitten. Dies sei jedoch laut Müller „schwierig und enorm aufwendig“.

Den Standort Deutschland sieht Müller im Rahmen der weiteren Konzernentwicklung nicht gefährdet. „Wir ziehen uns nicht aus Deutschland zurück. Ein global erfolgreiches Geschäft setzt einen intakten Heimatmarkt voraus.“ Allerdings habe sich die Dominanz im Bereich Forschung & Entwicklung durch die Übernahme von Monsanto „etwas abgeschliffen“. Entscheidend sei es, auch zukünftig talentierte Wissenschaftler und Mitarbeiter zu finden und zu halten.

Deutliche Kritik übt die Konzernspitze an der Zulassungssituation und den zahlreichen befristeten Zulassungen. Der Konflikt zwischen zwei Ministerien dürfe nicht auf dem Rücken der Industrie ausgetragen werden. Inzwischen hat Bayer gegen die befristete Zulassung Widerspruch eingelegt.

Das Thema Nachhaltigkeit nimmt Bayer dennoch sehr ernst. Hier setzt das Unternehmen auf Transparenz und einen intensiven Dialog mit Kritikern. Besonders im Fokus stehen dabei die Förderung der Biodiversität, die Erhaltung der Bienengesundheit, der Gewässerschutz und der Anwenderschutz. Wie Nachhaltigkeit in der Praxis aussehen kann, demonstrieren die beiden deutschen „Bayer ForwardFarms“ in Rommerskirchen (Rheinland) und Nauen (bei Berlin).

In die Pflanzenschutzsaison 2019 in Deutschland startet Bayer optimistisch. Marketingleiter Dr. Jörg Weinmann rechnet nach dem witterungsbedingten Rückgang 2018 wieder mit einem höheren Absatz in diesem Jahr. Dabei wird es auch mehrere Produktneuheiten geben. Darunter befinden sich z.B. eine neue Atlantis-Generation, eine neue Fungizidkombination für Getreide, ein Wachstumsregler und ein neues Mittel zur Schneckenbekämpfung. Darüber hinaus bietet Bayer ab der kommenden Saison für die Beizung von Wintergetreide zwei neue Produkte an, die auf verschiedenen Biostimulantien beruhen.