Viele neue Details – und ein Paukenschlag

 

Lemken. Auch in nicht-Agritechnica-Jahren geht die Geräteentwicklung weiter. Lemken stellte jetzt einen ganzen Strauß neuer Geräte und Kombinationen vor. Und verkündet eine Übernahme, die Zukunftspotential verspricht. 

Ein neuer Frontbehälter (Solitair 23) mit 1900 l Fassungsvermögen lässt sich  mit unterschiedlichen Geräten für Bodenbearbeitung und Aussaat kombinieren: für die Unterfußdüngung zusammen mit der Maisaussaat, mit Kreiselegge und neuer Säschine (Optidisc 25) als kompakte Drillkombination für kleinere Traktoren, zur Düngung gleichzeitig mit eem Drillen, zur Zwischenfruchtaussaat oder der Grunddüngung bei der Bodenbearbeitung.

Eine weitere Kombinationsoption ist der großer Säwagen (Solitair 12 SW) mit einem 5800 l fassenden Düngerbehälter für das Einzelkornsägerät Azurit.       

Nachfolger der Kurzscheibenegge Rubin 9 wird die Rubin 10. Auch sie ist durch die Anordnung der Scheiben jetzt seitenzugfrei. Optional bei den angehängten Maschinen ist ein Strohstriegel.

Das Pflügen erfreut sich wieder zunehmender Beliebtheit. Neu bei Lemken ist der Diamant 16 als Nachfolger des Diamant 11, mit dem ohne Seitenzug gearbeitet werden kann. Dafür gab es Silber bei der letzten Agritechnica. Die Reige Juwel 7 M ergänzt eine sechsfurchige Variante.

Das ist alles nicht spektakulär – aber für einen Paukenschlag konnte Lemken dann doch noch sorgen. Die Firma übernimmt Steketee, einen niederländischen Spezialisten für mechanische Unkrautbekämpfung. Diese Firma hat knapp 50 Mitarbeiter. Ihre Spezialität ist die Kameratechnik, die präzises Hacken nicht nur zwischen den Reihen, sondern auch in der Reihe erlaubt.

Ein Kommentar dazu

David und Goliath

Wenn eine Firma wie Lemken mit zuletzt 360 Mio € Umsatz  und 1470 Mitarbeitern einen Winzling wie Steketee mit 50 Mitarbeitern übernimmt, so sind die Gewichte auf den ersten Blick klar verteilt. Auf den zweiten Blick aber ist das gar nicht mehr so klar.  Denn auf eine großflächig einsetzbare Hacktechnik warten nicht nur die Ökobetriebe. Absehbar ist, dass es zunehmend Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz braucht. Lemken ist ja auch nicht die einzige Firma, die sich darüber Gedanken macht – aber die erste, die durch ihre Investition die Relevanz dieser Überlegung bestätigt. Nach dem Motto: „Wenn Lemken einen solchen Nischenanbieter kauft, muss ja etwas dran sein...“

Ist es auch, und zwar nicht nur für „Ökos“. Ein Unternehmen wie Lemken (und in absehbarer Zeit werden Horsch und die anderen auch mitziehen) kann Pflanzenschutzverfahren, die Chemie und Mechanik kombinieren, in „konventionellen“ Betrieben populär machen. Denn ohne Chemie wird es noch lange nicht gehen, wohl aber mit weniger Chemie. Selbst wenn das Hacken zwischen den Reihen mit einiger Schlagkraft funktioniert (und auch das ist eine Herausforderung): Hacken in der Reihe funktioniert wirtschaftlich derzeit eigentlich nur im Öko-Gemüsebaubetrieb. Denn die Maschine ist teuer und ihre Flächenleistung gering.

Damit kommen wir zur Gretchenfrage: Lassen sich Investitionen in so teure Maschinen irgendwann zurückverdienen? Ist es im konventionellen Landbau überhaupt möglich, ein Preisniveau irgendwo zwischen Öko-Landbau und Weltmarkt einzupendeln? Die Antwort kennt nur der Verbraucher – und mit ihm der Lebensmittel-Einzelhandel.

Thomas Preuße