Fulline – Digital – Globalisierung

 

Fendt. Dass Bäume nicht in den Himmel wachsen, lässt sich auch anders ausdrücken. Es habe in den vergangenen Monaten einen „verhaltenen Trend zu Rezession“ gegeben, aber insgesamt sei der Markt für Landtechnik in einem „ordentlichen Zustand“, sagte Fendt-Chef Peter-Josef Paffen anlässlich der Jahrespressekonferenz des Allgäuer Herstellers. Gleichwohl hat er ehrgeizige Ziele: Stieg schon 2018 der Schlepperabsatz auf 16.800 Einheiten (+ 12% gegenüber dem Vorjahr), sind für dieses Jahr 18.000 im Blick und erscheint das von der Muttergesellschaft Agco vorgegebene Ziel von 20.000 Schleppern Ende 2020 nicht ganz utopisch. Bei allem Erfolg auf dem Heimatmarkt und Zuwächsen in Frankreich, Italien oder Großbritannien muss ein solches Wachstum doch auch aus neuen Märkten kommen: Russland oder Nord-und Südamerika. Für Nordamerika hat man – nach fünf Jahren – mit dem neuen 900 Vario endlich eine Maschine, die dort auch in Reihenkulturen einsetzbar ist . Schwere Zugschlepper kaufen die „Amis“ doch eher in anderen Farben. Und das Mercosur-Abkommen könnte neue Chancen in Südamerika eröffnen. 

Wachstum = Fullline + Digital + Globalisierung, so formulierte es Roland Schmidt, Marketing-Chef von Fendt. Endlich ging es mal nicht vor allem um Motoren, um die EU-Abgasnormen zu erfüllen, sondern um echte Innovationen. Und die stecken nur zum Teil in den Maschinen selbst. Ja, es gibt komplett neue Mähwerke (Slicer), Programmergänzungen und neue „Features“ bei Wendern, Ladewagen, Häckslern, Pressen und Spritzen. Unter anderem die Möglichkeit, die Qualität von Großballen zu messen und zu dokumentieren oder die automatische Düsenwahl an der Spritze anhand vorgegebener Parameter. Der Ideal-Mähdrescher ist 2019 mit 150 Maschinen auf dem Feld. Und – wie erwähnt – wurde die fünf Modelle des 900er, die mit MAN-Motoren zwischen 296 und 415 PS ausgerüstet sind, in Richtung „Globalisierung“ entwickelt. Sie sind im Grunde die Weiterentwicklung der 1000er Reihe nach unten.

In den neunziger Jahren bedeutete „Innovation“ das stufenlose Getriebe. In den 2000ern beschäftigte sich die Industrie mit der Kommunikation von Schlepper und Anbaugerät (Isobus). Heute geht es um die Optimierung der Produktionsprozesse mittels Verbindung der Acker- mit der Bürowelt: Steuerung des Traktors plus Verwaltung der Daten in einem offenen System. Ab 2020 soll das (zunächst im Vario 700) unter der Bezeichung „FendtONE“) praktisch verfügbar sein. Dann fährt man (um häufiges Umschalten zu vermeiden) mit drei Terminals hinterm Lenkrad, an der vorderen Kabinensäule und unterm Dach.

Bleibt die „Fullline“. Fendt hat in den letzten Jahren enorm in die Komplettierung des Angebotes und gleichzeitig in die Qualität seiner Händler investiert. Dass dagegen die Telehandler (= Telekoplader) fehlen, ist nicht das Drama. Aber zumindest in Europa wird die echte Fullline solange ein Traum bleiben, wie die bei Bodenbearbeitung und Saat dominierenden Familienunternehmen nicht verkaufswillig sind. In Frankreich oder Italien wäre man vielleicht fündig geworden, aber gerade solche Geräte müssen zum Anspruch der Marke passen.  Denn über allem sollen Kundenerlebnis und Kundenzufriedenheit stehen.