Akzeptanz der Nutztierhaltung

 

Bayer. Auch die Tierärzteschaft bewegt die gesellschaftliche Akzeptanz der Nutztierhaltung und die damit verbundenden Herausforderungen an die Schweinepraxis. Den Rahmen für einen Diskussion hierzu gab eine Veranstaltung der Bayer-Nutztierakademie in Melle zu Beginn in der letzten Woche.

Welche Veränderungen hin zu mehr Tierwohl notwendig sind zeigte Professor Matthias Gauly (Freie Universität Bozen) auf. Die Nutztierhaltung in Deutschland habe bereits große Fortschritte gemacht, was die effiziente Nutzung von Ressourcen angehe. Dr. Bernhard Schlindwein (WLV Münster) stellte heraus, dass die Landwirtschaft bereit ist für Veränderungen und was die Branche bereits unternimmt, um die Haltungsbedingungen von Schweinen zu verbessern.

Das Thema Antibiotikaverbrauch spielte auf der Veranstaltung eine ganz besondere Rolle. Dr. Sabine Kurlbaum (LAVES, Oldenburg) legte die Erfahrungen aus 1,5 Jahren staatlicher Antibiotikadatenbank dar, zeigte Fehlerquellen und Verbesserungspotential auf. Die Diskussion zeigte, dass die Tierärzte in der alltäglichen Arbeit stark betroffen sind von den Kinderkrankheiten der Datenbank. Die Tatsache, dass es zusätzlich auch das QS-Antibiotikamonitoring gibt und somit zwei Datenbanken vom Tierarzt zu füllen sind, sorgt für Unverständnis in der Tierärzteschaft. Aus praktischer Sicht legte Dr. Torsten Pabst (Dülmen) dar, wie wichtig die lückenlose Erfassung aller Bestände beim Antibiotika-Monitoring ist und mahnte aus Gründen der Vergleichbarkeit einheitliche europäische Regelungen an. Auch verwies er auf negative Auswirkungen der Antibiotikadatenbank mit Blick auf Resistenzen hin. Denn ausreichend lange Behandlungsdauern würden schwierig, da sie vom System bestraft würden. Im Vordergrund solle nicht die Antibiotikareduktion, sondern die Optimierung des Einsatzes stehen.

Dr. Carolin Ludwig (Bayer Animal Health, Monheim) führte aus, dass es bei Fluorchinolonen, deren tiermedizinischer Einsatz kritisiert wird, entscheidend ist die vorgeschriebenen Wirkstoffkonzentration im Tier auch tatsächlich zu erreichen, um Resistenzen zu vermeiden. Ein Unterschreiten der Dosierung zum Zweck der Antibiotikaeinsparung mache aus Sicht der Wirkung und der Resistenzbildung keinen Sinn. Der umsichtige Einsatz von Antibiotika sowohl in der Veterinärmedizin wie auch in der Humanmedizin sei entscheidend für den Erhalt der Wirksamkeit dieser Medikamentenklasse

Abgerundet wurde das Programm durch einen Vortrag von Professor Ulrich Nöhle, der sich des Themas aus kommunikativer Sicht annäherte und einerseits auf die Doppelmoral der Verbraucher (Bio-Ware zu Billigpreisen) hinwies, andererseits aber auch Unternehmen, Landwirte und Tierärzte in der Pflicht sah, die industriellen Herstellungsprozesse dem Verbraucher gegenüber transparent und verständlich darzustellen.