Pflanzenschutz: Die Farm-to-Fork wird ernst

Lange Zeit war die Farm-to-Fork-Strategie eine Idee. Mit dem Vorschlag einer „Verordnung zur nachhaltigen Nutzung von Pflanzenschutzmitteln“ zündet die EU-Kommission nun die nächste Stufe. 50% weniger Pflanzenschutzmittel bis 2030 (gemessen in kg Wirkstoff/ha am Durchschnitt 2015 bis 2017) und ein Komplettverbot nicht nur in FFH-, sondern auch in Vogelschutzgebieten sind die wesentlichen Inhalte.

In den letzten zehn Jahren hat die deutsche Landwirtschaft Menge und Risiko den chemischen Pflanzenschutzmittel um ein Drittel reduziert. Dabei spielten sicherlich der nachlassende Einsatz von Glyphosat (bei den Herbiziden) und die Trockenjahre eine wichtige Rolle. Gerade die Witterungsabhängigkeit des PSM-Einsatzes zeigt, wie problematisch pauschale Reduktionsziele sind.

Auf der anderen Seite erzeugen nur konkrete Reduktionsziele einen starker Impuls in Richtung eines stabileren Pflanzenbaues (zum Beispiel über resistente Sorten bei Getreide), neuer Technik (vor allem bei den Reihenkulturen) und besserer Prognose. Die Frage „wer bezahlt uns das alles“ ist falsch gestellt, weil die Antwort schon klar ist: niemand. Also müssen die Fragen lauten: Wie gestalte ich einen Ackerbau, der möglichst wenig „Chemie“ braucht? Wie organisiere ich neue Technik, damit sie so effizient wie möglich eingesetzt wird? Denn eines ist klar: Auch wenn die nationalen Regierungen und das EU-Parlament sicher Abstriche am Vorschlag der Kommission machen werden, ist eine weitere Verminderung des chemischen Pflanzenschutzes kaum zu vermeiden. Weil es nämlich tatsächlich noch Potential dafür gibt.   

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