Vorkontrakte. Wie viel können Sie riskieren?

Die meisten Landwirte haben die attraktiven Kontraktangebote aus dem Spätherbst dazu genutzt, einen Teil der Ernte 2022 zu verkaufen. Manche sind dabei auf 50 % der erwarteten Ernte und auch noch darüberhinaus gegangen. Nach wie vor sind die Gebote vor allem für Raps hoch, aber auch für Weizen und Gerste lassen sich Preise fixieren, die weiterhin gewinnversprechend sind. 
Kann man auf 75 % einer Durchschnittsernte gehen? Und was passiert, wenn man diese Menge nicht erreicht? Am Ende tragen Sie drei Risiken: 

  • Sie verkaufen zu billig, weil Raps oder Getreide hinterher im Preis massiv steigen – das war die Erfahrung aus den Vorkontrakten für die Ernte 2021. Hier reden wir von entgangenen Gewinnen.
  • Sie verkaufen zu billig und ernten weniger, als Sie verkauft haben – also das doppelte Risiko sozusagen. Hier reden wir davon, dass Sie auswaschen müssen, also Ihrem Händler für jede nicht gelieferte Tonne die Differenz des Kontraktpreises zum Marktpreis zahlen müssen.
  • Im neuen Wirtschaftsjahr liegen die Preise deutlich unter den heutigen. Dann haben Sie auf Gewinn verzichtet, wenn Sie keine Vorkontrakte abgeschlossen haben. 

Was richtig ist, entscheidet sich immer erst hinterher. Aber wenn Sie die heutigen Preise für gut halten, dann sollten Sie erwägen, in die Vollen zu gehen. Denn am Ende können Sie immer noch auswaschen. Das bedeutet: Sie zahlen Ihrem Vertragspartner für die nichtgelieferte Menge die Differenz zwischen Ihrem Kontraktpreis und dem Marktpreis (mehr dazu: DLG-Mitteilungen Heft 9/2019). Wenn der Marktpreis unter Ihrem Kontraktpreis liegt, geht das ohne Kosten. Wenn Sie mit steigenden Preisen rechnen, dann sollten Sie ohnehin keine Vorkontrakte machen. 

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Foto: landpixel