Logistik: »Mal eben« ein Hafen geschlossen

Manchmal geht es nicht ums Geld, sondern darum, überhaupt etwas zu bekommen. Seit Monaten verfolgen uns die Meldungen über fehlende Speicherchips, Spezialchemikalien zur Herstellung von KG-Rohren oder einfach nur Eisenteile. Wer kennt nicht die Ersatzteilprobleme in der Landtechnik? Es gibt Agrartechnikzentren, die seit April auf Teile warten und schon Hunderte Aufträge mangels Ware nicht bedienen können. Und wer Teile bekommt, muss tiefer in die Tasche greifen, auch wenn er nur blankes Eisen benötigt. So kosten etwa Rohre für einen Folientunnel mit 100 m Länge statt 35 000 € im Frühjahr jetzt über 50 000 €. Woran liegt das?

Sand im Getriebe. Am Ende ist es die Corona-Pandemie, die tiefer in die Wirtschaftsabläufe eingreift, als man anfangs dachte. Jeder Mitarbeiter, der ausfällt oder nur eingeschränkt arbeiten kann, ist ein Sandkorn im Getriebe des vor Corona auf Hochleistung laufenden Wirtschaftsmotors. Hier ein Teil nicht rechtzeitig fertig, dort eine Bestellung nicht pünktlich abgearbeitet – und der verzögert bearbeitete Bauantrag für eine neue Fabrikationshalle lässt die ganze Versorgungskette straucheln.

Logistikkosten explodieren. Und dann ist da auch noch China. Das Land scheut sich nicht, mal eben einen Hafen zu schließen, Anfang August den Ningbo-Zhousan. Das ist mit 1,2 Mrd. t Fracht der umschlagstärkste Hafen der Welt und der viertgrößte Containerhafen weltweit. Das unterbricht sämtliche Lieferketten und macht auch die Frachten teuer. Denn jedes Schiff, das auf Reede liegt und nicht entladen wird, fehlt in der weltweiten Transportkette. Das trifft auch die Landwirtschaft: Die Frachtraten für Schüttgüter explodieren geradezu. Die Grafik zeigt diese im Baltic Dry Index, den die Börse in London ermittelt. Nimmt man Vor-Coronazeiten als Basis, etwa den Oktober 2019, so sind die Kosten für eine Schiffsladung gegenüber dem damals schon hohen Wert um die Hälfte gestiegen. Gegenüber dem Beginn der Coronakrise im Mai vergangenen Jahres haben sie sich glatt verfünffacht. Bei uns kommt noch die neue CO2-Abgabe hinzu. Die steigenden Preise machen sich auch im Großhandel bemerkbar. Im Juli stiegen die Großhandelspreise in Deutschland im Durchschnitt aller Branchen um fast 11 %. Über kurz oder lang kommt das auch beim Kunden an. Manche Landwirte haben bereits reagiert und sich zentrale Ersatzteile und Pflanzenschutzmittel ins Lager gelegt. Denn schlimmer als hohe Preise sind Maschinen, die nicht laufen und Unkräuter, gegen die möglicherweise kein Mittel verfügbar ist.

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