Biostimulanzien. Halten sie, was sie versprechen?

Sie zählen zweifelsfrei zu den neuen Hoffnungsträgern im Ackerbau. Biostimulanzien. Stagnierende Praxiserträge, Einschränkungen beim Pflanzenschutz- und Düngemitteleinsatz und zunehmende Extremwetterlagen verstärken den Wissensdurst nach dem Leistungspotential dieser neuen Betriebsmittel. Gleichzeitig schwingt aber auch viel Skepsis mit. Zu Recht. Denn der Markt ist riesig, unübersichtlich und unheimlich divers. Biostimulanzien können im Grunde alle Produkte sein, die das Pflanzenwachstum in irgendeiner Weise positiv beeinflussen. Ketzerisch gesagt, könnte man auch H2O dazu zählen.

Doch die Leistung solcher Stoffe gänzlich in Frage zu stellen, ist definitiv zu kurz gesprungen. In dem groß angelegten EU-Verbundprojekt Biofector wurden mehr als 150 Gewächshaus- und Feldversuche mit 38 verschiedenen kommerziellen Produkten, Neuentwicklungen und Produktkombinationen in 11 Ländern durchgeführt. Dabei konnte man immerhin in etwa 30 % der Fälle positive Wirkungen auf Wachstum oder Ertragsbildung nachweisen. Die Forscher betonen jedoch, dass die Ausprägung stark von den jeweiligen Anwendungs- und Umweltbedingungen abhängt. Bei den Ackerbaukulturen wurden insbesondere mit nichtmikrobiellen Biostimulanzien (z.B. Algen- und Pflanzenextrakte) vielversprechende Effekte auf die Stresstoleranz beobachtet. Ganz grundsätzlich gibt es aber nach wie vor zu wenige aussagekräftige, reproduzierbare Versuchsergebnisse. Das macht es den Landwirten schwer, "echte" Biostimulanzien von sogenannten „Snake Oils“ zu unterscheiden. 
Attraktiv für die Industrie sind solche Stoffe vor allem deshalb, weil sie nicht so streng reguliert sind wie chemische Pflanzenschutzmittel oder Dünger. Rechtlich fallen sie unter die neue EU-Düngeprodukte-Verordnung 1009/2019, die im Juni 2019 in Kraft trat. Damit sind sie ausdrücklich vom Anwendungsbereich der Pflanzenschutz-Verordnung (EG) 1107/2009 ausgenommen. Zwar soll die Düngeprodukte-Verordnung für mehr Transparenz und Anwendersicherheit sorgen. Doch sie ist in ihrer Ausgestaltung noch immer sehr schwammig.   

Unterm Strich bleibt für den Landwirt aktuell die recht nüchterne Erkenntnis: Versuch macht klug. Gerade weil die Wirkung von Biostimulanzien so stark von den jeweiligen Standortfaktoren abhängt, kann das Ergebnis ein und desselben Präparates sehr unterschiedlich ausfallen. Perspektivisch wird sich in den kommenden Jahren bei dieser Produktgruppe noch viel bewegen – sowohl im Bereich der Forschung als auch von Seiten der Industrie. Dabei bleibt zu hoffen, dass der Gesetzgeber für (noch) mehr Anwendersicherheit sorgt und die Preisgestaltung für alle Beteiligten "passt".

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Foto: landpixel