27.02.2017

Dünge-VO. Die Änderungen auf einen Blick

Foto: Maria-Theresia Berling

Seit Jahren ringen Bund und Länder um die neue Düngeverordnung. Jetzt ist der erste Schritt dafür getan: Am 16.02. hat der Bundestag das Düngegesetz beschlossen. Damit müssen Sie rechnen.

Noch immer ist die neue Düngeverordnung nicht in trockenen Tüchern. Mit ein wenig Optimismus kann man aber davon ausgehen, dass sie nun nach fünfjährigen Verhandlungen in diesem Frühjahr verabschiedet und somit zur neuen Düngesaison im August/September 2017 rechtskräftig wird. Wir fassen die wichtigsten Änderungen für die Praxis zusammen.

• Herbstdüngung. Düngemittel mit »wesentlichem Gehalt an Stickstoff« dürfen im Regelfall ab Ernte der Hauptfrucht bis zum 31. Januar des Folgejahres nicht mehr ausgebracht werden. Eine Strohdüngung mit Gülle oder HTK oder eine Herbstgabe zu Wintergetreide sind somit verboten (Ausnahme Wintergerste). Gleichzeitig werden die zulässigen Gaben zu Zwischenfrüchten, Winterraps, Feldfutter und Wintergerste auf 30 kg/ha Ammoniumstickstoff oder 60 kg Gesamtstickstoff reduziert.
Auf Grünland darf künftig vom 1.11. bis 31.01 nicht gedüngt werden.

• Düngebedarfsermittlung und Nährstoffvergleich. Der N-Düngebedarf muss künftig grundsätzlich auf den Schlag bezogen ermittelt werden. Gleichzeitig gilt eine umfassende Aufzeichnungspflicht. Der Düngebedarf einer Kultur richtet sich nach den Stickstoffbedarfswerten in Abhängigkeit vom Ertragsniveau und verschiedenen Zu- und Abschlägen während der Vegetation.

Zudem muss jährlich spätestens bis zum 31. März ein betrieblicher Nährstoffvergleich für Stickstoff und Phosphat für das abgelaufene Düngejahr erstellt werden. Dabei sinkt der zulässige N-Saldo (= Kontrollwert) ab 2020 von 60 kg auf 50 kg N/ha und Jahr. Für Phosphat darf ab 2020 ein Kontrollwert von 10 kg P2O5/ha im sechsjährigen Mittel nicht überschritten werden. Schläge, auf denen die P-Gehalte 20 mg P2O5 je 100 mg Boden (CAL-Methode) überschreiten, dürfen in der Regel nur noch eine Düngung in Höhe des Entzuges erhalten.

• Lagerkapazitäten. Bundeseinheitlich muss das Fassungsvermögen von Anlagen zur Lagerung von flüssigen Wirtschaftsdüngern sowie flüssigen und festen Gärrückständen für mindestens sechs Monate reichen. Für viehstarke Betriebe (> 3 GV/ha im Betriebsdurchschnitt) oder Betriebe ohne eigene Flächen sind ab 2020 Lagerkapazitäten für mindestens neun Monate vorgeschrieben. Die GV-Grenzen für die notwendigen Lagerkapazitäten sind also andere als bei der Einführung der Stoffstrombilanz (siehe Seite 17). Auch für Festmist und Kompost muss ab 2020 generell eine Lagerkapazität von zwei Monaten nachgewiesen werden.

Gleichzeitig haben auch die eingeschränkte Herbstdüngung sowie das Düngeverbot auf wassergesättigten, gefrorenen oder schneebedecktem Böden Auswirkungen auf die notwendigen Lagerkapazitäten.

• Ausbringung. Eine N- oder P-Düngung ist auf überschwemmten, wassergesättigten, gefrorenen oder schneebedeckten Böden nicht zulässig. Ist absehbar, dass der Boden tagsüber auftaut, ist eine Pflanzendecke vorhanden und besteht andernfalls die Gefahr von Strukturschäden, ist eine Düngung von 60 kg Gesamt-N/ha möglich.

Auf Ackerland werden flüssige organische Dünger bereits ab 2020 streifenförmig ausgebracht oder direkt eingearbeitet werden müssen. Für Grünland gilt diese Regelung ab 2025.

Künftig nicht mehr zulässig sind Miststreuer ohne gesteuerte Mistzufuhr zum Verteiler, Güllewagen mit freiem Auslauf auf den Verteiler, zentrale Prallverteiler, mit denen nach oben abgestrahlt wird, Güllewagen mit senkrecht angeordneter, offener Schleuderscheibe sowie Drehstrahlregner.

Zudem werden die Abstandsregeln zu Gewässern und Nachbarflächen verschärft (im Regelfall um mind. 1 m). Die Einarbeitungsfrist für organische Dünger auf unbestelltem Ackerland beträgt vier Stunden.

• Länderermächtigungen. Die Bundesländer sind verpflichtet, eine Unterteilung in »normale« und »besonders mit Nitrat bzw. Phosphat belastete Zonen« vorzunehmen. Für Letztere gelten verschärfte Auflagen (siehe Tabelle).

Katrin Rutt

Aus DLG-Mitteilungen 3/17.

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