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title: "Meinung. Koalitionsvertrag: Aufbruch sieht anders aus"
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description: Anfang April haben die Spitzen von Union und SPD ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Nach den Versprechen im Wahlkampf und der folgenden Kreditermächtigung über eine Billion Euro für die neue Regierung in spe wurden meine Erwartungen an einen wirklichen Kurswechsel enttäuscht.
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date: 2025-04-22
modified: 2025-06-05
keywords:
  - Koalitionsvertrag
type: article
site: DLG Mitteilungen
locale: de_DE.utf8,de-DE
author:
  - Thomas Künzel
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# Meinung. Koalitionsvertrag: Aufbruch sieht anders aus

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   22. April 2025    Meinung. Aufbruch sieht anders aus
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 Anfang April haben die Spitzen von Union und SPD ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Nach den Versprechen im Wahlkampf und der folgenden Kreditermächtigung über eine Billion Euro für die neue Regierung in spe wurden meine Erwartungen an einen wirklichen Kurswechsel enttäuscht.

          ![](https://www.dlg-mitteilungen.de/fileadmin/Autoren/Redaktion/0118_Kuenzel_DSC_6495.jpg)    Ersteller: DLG-Mitteilungen  Thomas Künzel, Chefredakteur der DLG-Mitteilungen

> Die Koalitionäre finden eine Reihe richtiger Ansätze, aber keinen klaren Reformkurs.

Es ­bestätigt sich einmal mehr, was der Soziologe Max Weber Anfang des 20. Jahrhunderts formulierte: »Politik bedeutet ein starkes, langsames Bohren von harten Brettern«. Manchmal habe ich heute jedoch den Eindruck, Politik bestehe eher darin, die Notwendigkeit des Bohrens so lange wie möglich zu verdrängen – bis kurz vor Ladenschluss schnell zum Baumarkt gehetzt wird, um dort die leistungsstärkste und teuerste Schlagbohrmaschine zu kaufen. Zuhause angekommen öffnet man sich dann erst einmal ein Bier und freut sich darüber, jetzt bestens ausgerüstet zu sein. Theoretisch könnte man ja jederzeit mit dem Bohren anfangen. Soll heißen: Es mangelt an Mut und einem klaren Kompass für grundlegende Reformen.

Zumindest eine grundlegende Neuerung gibt es: ein Ministerium für Bürokratieabbau und Digitalisierung. Das ist ein guter Anfang, denn unser Land krankt an seiner Bürokratie. Wir spüren es tagtäglich, auch objektive Zahlen des ifo-Instituts beweisen es: Durch die überbordende Bürokratie entgehen Deutschland bis zu 146 Mrd. € an Wirtschaftsleistung – jährlich! 
Nun geht Bürokratiereduzierung nur durch die Reduzierung der Bürokraten. Der Koalitionsvertrag sieht 8 % für diese Legislatur vor. Das ist viel zu wenig. Ein ambitionierteres Ziel von 25 % bis 2030 wäre nicht abwegig und braucht auch keine Kettensägen. Gute Unternehmen machen vor, wie das geht.

Auch für die Landwirtschaft fällt dieses Kapitel wenig überzeugend aus. Die Ankündigung, Agraranträge zu vereinheitlichen und Berichtspflichten zu überprüfen, ist richtig – allerdings bekannt. Ob diesmal tatsächlich substanzielle Entlastungen folgen oder ob sich – trotz neuem Ministerium – erneut alles im Klein-Klein der Verwaltung verliert? Ich bleibe skeptisch. 
Anerkennung verdient das Bekenntnis zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft als Teil der Ernährungssicherung. Auch, dass Schwarz-Rot mit einem jährlichen Betrag von 1,5 Mrd. € kräftig in mehr Tierwohl investieren will – abgesichert durch staatliche Verträge mit 20 Jahren Bestandsschutz. Bisher ungeklärt ist allerdings, woher die Mittel dafür kommen sollen. Für die Koalitionäre zur Erinnerung: Die Borchert-Kommission hatte zur Finanzierung konkrete Vorschläge unterbreitet. Der Abbau genehmigungsrechtlicher Hürden, die praxisgerechte Anpassung des Bundesimmissionsschutzgesetzes oder die steuerliche Risikoausgleichsrücklage – der Koalitionsvertrag enthält eine Reihe richtiger Ansätze. Aber wo ist die Bohrmaschine?

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###    24. Februar 2025     [ Meinung. Das Ende der grünen Hegemonie ](https://www.dlg-mitteilungen.de/artikel/meinung-das-ende-der-gruenen-hegemonie "Meinung. Das Ende der grünen Hegemonie")

Ein Wort vorweg, weil gerade Bundestagswahl war: Es geht hier nicht um Parteipolitik – es geht um viel mehr. Unabhängig von den Prozenten: Zum ersten Mal seit 15 Jahren spielten grüne Themen keine entscheidende Rolle. War das nur der aktuellen Lage geschuldet, oder steckt da mehr dahinter?

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Wir sind nicht das Problem, sondern helfen mit, gesellschaftliche Herausforderungen zu meistern. Deshalb sollte es eine Agrarpolitik mit Landwirtinnen und Landwirten geben und nicht über ihre Köpfe hinweg, meint Jana Gäbert.