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title: Integrierter Pflanzenschutz. Leichter gesagt als getan
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description: Pflanzenschutzmittel sollen gespart werden, Wirkstoffe fallen weg, Resistenzen nehmen zu – die Forderung nach mehr ackerbaulichen Maßnahmen ist mittlerweile ein Klassiker. Dass manche Bausteine des Integrierten Pflanzenschutzes aber gar nicht so einfach umzusetzen sind, zeigen Anke Kühl und Michael Roßberger.
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date: 2026-04-10
modified: 2026-10-02
type: article
site: DLG Mitteilungen
locale: de_DE.utf8,de-DE
author:
  - Dr. Anke Kühl
  - Michael Roßberger
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# Integrierter Pflanzenschutz. Leichter gesagt als getan

- [ Pflanzenschutz ](https://www.dlg-mitteilungen.de/artikel/schlagwort/pflanzenschutz "Pflanzenschutz")

              ![Ackerfuchsschwanz in einem Weizenbestand](https://www.dlg-mitteilungen.de/fileadmin/_processed_/5/1/csm_DLG0426_44-45_Afu_1_dc75678eb3.jpg)    Ersteller: Kühl  Gegen das Dauerbrennerproblem Ackerfuchsschwanz können Maßnahmen des Integrierten Pflanzenschutzes helfen.

   10. April 2026    Integrierter Pflanzenschutz. Leichter gesagt als getan
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 Pflanzenschutzmittel sollen gespart werden, Wirkstoffe fallen weg, Resistenzen nehmen zu – die Forderung nach mehr ackerbaulichen Maßnahmen ist mittlerweile ein Klassiker. Dass manche Bausteine des Integrierten Pflanzenschutzes aber gar nicht so einfach umzusetzen sind, zeigen Anke Kühl und Michael Roßberger.

Ackerfuchsschwanz (Alopecurus myosuroides), Windhalm (Apera spica-venti) und verschiedene Lolium-Arten zählen zu den wirtschaftlich bedeutendsten Problemungräsern im Ackerbau. Ihre zunehmende Verbreitung geht einher mit über Jahrzehnte stark winterungsbetonten Fruchtfolgen und einer sich kontinuierlich verschärfenden Resistenzsituation. Parallel dazu sinkt die Zahl der verfügbaren Herbizidwirkstoffe, was die Kontrollmöglichkeiten weiter einschränkt.

Vor diesem Hintergrund gewinnen acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen im Rahmen des Integrierten Pflanzenbaus an Bedeutung. Insbesondere die Ausweitung der Fruchtfolge sowie ein strategisch durchdachtes Wirkstoffmanagement gelten als zentrale Bausteine zur langfristigen Stabilisierung der Situation.

Eine Umfrage der BAT Agrar Pflanzenbauberatung sowie die Analyse der Anbauentwicklungen der vergangenen 15 Jahre geben Aufschluss darüber, welche Maßnahmen in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden – und wo strukturelle Hürden bestehen.

**Umfrageergebnisse: Wahrnehmung und Praxis in den Betrieben.** Im Herbst 2025 beteiligten sich rund 250 landwirtschaftliche Betriebe aus allen Regionen Deutschlands an einer Online-Umfrage zum Thema Gräsermanagement in der Praxis. Die Ergebnisse zeigen ein klares Problembewusstsein, aber auch deutliche Unterschiede zwischen Erkenntnis und Umsetzung: Über 60 % der teilnehmenden Betriebe sehen enge Fruchtfolgen als eine der Hauptursachen der zunehmenden Verunkrautung. Bemerkenswert ist, dass 30 % der Betriebe nach eigenen Angaben bereits seit mehr als zehn Jahren mit Problemungräsern konfrontiert sind – ein Hinweis auf die langfristige Dynamik und Verfestigung des Problems.

Bei der praktischen Umsetzung integrierter Maßnahmen ergibt sich aber ein etwas anderes Bild: Die Maßnahme Saat­terminverschiebung wird am häufigsten genutzt, das Wirkstoffmanagement folgt auf Rang zwei. Die Erweiterung der Fruchtfolge nimmt erst den dritten Rang ein – trotz ihrer hohen strategischen Bedeutung.

         ![Portraitfoto Dr. Anke kühl](https://www.dlg-mitteilungen.de/fileadmin/Heft/26-4/DLG0426_44_Anke.jpg)

> Außerhalb ihrer Nische erzielen viele Produkte oft nur den Futterwert.

Dr. Anke Kühl

**Anbau von Sommerkulturen: deutliche regionale Unterschiede.** Sommerkulturen gelten als wichtiger Baustein zur Unterbrechung der Lebenszyklen von Herbstkeimern. In der Praxis zeigt sich eine deutliche regionale Differenzierung:

- Bundesweit: Mais bleibt die dominierende Sommerkultur in einer erweiterten Fruchtfolge – das gilt für alle Regionen. Bei weiteren Kulturen gibt es aber Unterschiede:
- Norddeutschland: Hafer und Ackerbohnen gewinnen an Bedeutung.
- Osten: Vor allem Erbsen werden stärker in Fruchtfolgen integriert.
- Süden: Sommergerste spielt die größte Rolle.
- Westen: kein klar dominierendes Muster.

Die Wahl der Kulturen orientiert sich somit stark an regionalen Vermarktungsstrukturen, Landesfördermaßnahmen und klimatischen Gegebenheiten.

**Strukturelle Hemmnisse: Hat sich die Fruchtfolge wirklich verändert?** Eine Analyse der Anbauflächen in zwei Dreijahreszeiträumen (2010 bis 2012 gegenüber 2023 bis 2025, Grafik Seite 46) zeigt, dass sich am Verhältnis der Kulturen in Deutschland wenig verändert hat. Die fünf Hauptkulturen – Winterweizen, Silomais, Wintergerste, Raps und Roggen – beanspruchen nach wie vor rund 77 % der Fläche. Die restlichen 23 % der Ackerbaufläche sind auf weitere elf Kulturen verteilt. Deren Anteil ist in den zurückliegenden 15 Jahren nur um etwa 1,5 % gestiegen.

Woran liegt es, dass sich die Erweiterung der Fruchtfolge so wenig in den Anbauzahlen wiederfindet? Schaut man sich die Veränderungen der einzelnen Kulturen in der Grafik an, wird deutlich, dass beispielsweise ein Rückgang im Weizenanbau um 12 % oder im Rapsanbau um 17 % in der Gesamtbetrachtung kaum auffällt, da ihre Ausgangsbasis so hoch ist. Umgekehrt führt eine erhebliche Flächenausweitung kleiner Kulturen nur zu geringfügigen Veränderungen in der Gesamtstatistik. Dazu ein plakatives Beispiel: Ein Plus von 2 % bei Silomais entspricht flächenmäßig derselben Größenordnung wie ein Anstieg von 230 % bei Sonnen-blumen.

**Warum kommen die Alternativen nicht aus der Nische?** Der Anbau von Sommergetreide ist vor allem getrieben von der Witterung. Sommergerste und Sommerweizen zeigen über die Jahre deutliche Schwankungen. In Jahren wie 2012 und 2018 kam es zu sprunghaften Anstiegen – jeweils ausgelöst durch extrem nasse Herbste, die eine Wintergetreideaussaat kaum zuließen. In den Folgejahren fiel der Anbauumfang aber wieder auf ein normales Maß zurück. Sommergerste und -weizen liegen auch deswegen dauerhaft im Anbauumfang hinter dem Wintergetreide, weil die Ertragssicherheit geringer ist.

          ![Haferpflanze](https://www.dlg-mitteilungen.de/fileadmin/Heft/26-4/DLG0426_46_h_00042128.jpg)   Eine weite Fruchtfolge mit Hafer oder

          ![Futtererbsen](https://www.dlg-mitteilungen.de/fileadmin/Heft/26-4/DLG0426_46_h_00042082.jpg)    Ersteller: agrar-press  Futtererbsen ist aus Sicht des Gräsermanagements wünschenswert ...

Zudem verhindern Marktmechanismen eine größere Bedeutung kleiner Kulturen. Aus ackerbaulicher Sicht besitzt eine weite Fruchtfolge sehr viele Vorteile hinsichtlich des Gräser- und Nährstoffmanagements. Auch phytosanitäre Aspekte spielen eine Rolle bei der Wahl der Fruchtfolge. Dennoch ist die Verengung der Fruchtfolge in den vergangenen Jahrzehnten ein Ausdruck der Konzentration der Landwirtschaft auf Kulturen mit der höchsten Rentabilität. Und diese Kulturen sind immer noch Weizen, Gerste, Raps, Mais und Zuckerrüben.
Das, was auf dem Acker angebaut wird, muss sich auf dem Teller der Verbraucher wiederfinden, um auskömmliche Preise zu erwirtschaften. Ein Blick auf die Verarbeitungszahlen am Beispiel des Hafers zeigt die Herausforderung: In Deutschland wurden 2024 knapp 700 000 t Hafer zu Lebensmittelprodukten verarbeitet. Die Ernte schwankt in den Jahren je nach Anbaufläche und Witterungsbedingungen etwa zwischen 500 000 und 950 000 t. Daraus ergeben sich folgende Situationen:

- In Jahren, in denen die Erntemenge kleiner ist als die Verarbeitungsmenge, werden die Produkte deutlich über dem Weizenpreis gehandelt.
- In Jahren, in denen die Ernte größer ist als die Verarbeitungsmenge, fällt der Erzeugerpreis auf die nächstbeste Alternative, das ist in der Regel die Verwertung im Futter.

Ähnliche Muster gelten für Braugerste, viele Leguminosen und Nischenkulturen. Die ökonomische Attraktivität bleibt somit volatil und begrenzt planbar. Anders ausgedrückt: Die Verzehrgewohnheiten der Verbraucher decken sich nicht immer mit dem Wunsch nach weiten Fruchtfolgen.

          ![Sonnenblume](https://www.dlg-mitteilungen.de/fileadmin/Heft/26-4/DLG0426_47_h_00042820.jpg)   ... aber damit auch Kulturen wie Sonnenblumen oder

          ![Sojabohne](https://www.dlg-mitteilungen.de/fileadmin/Heft/26-4/DLG0426_47_h_00030020.jpg)    Ersteller: agrar-press  Sojabohnen angebaut werden, müssen sie wirtschaftlich attraktiv sein.

          ![](https://www.dlg-mitteilungen.de/fileadmin/Heft/26-4/DLG0426_46_PSP_Anbaufl%C3%A4chen_La_St.jpg)

**Wirkstoffmanagement – unverzichtbar, aber zunehmend limitiert.** Neben dem ackerbaulichen Ansatz stellen Resistenzuntersuchungen einen wesentlichen Baustein im Gräsermanagement dar. Die Umfrage zeigt:

- 47 % der Betriebe berichten über resistente Gräser.
- 27 % können die Resistenzsituation nicht einschätzen.
- 66 % der befragten Betriebe haben noch keinen Resistenztest durchführen lassen.
- Von den Betrieben, die Tests genutzt haben, bewerten 91 % die Ergebnisse als hilfreich.

Die Landwirte, die bisher keine Resistenztests durchgeführt haben, nannten als Hauptgrund, dass sie keinen Zusatznutzen durch das Ergebnis erwarten. Jeweils ein Fünftel der Befragten gab an, dass sie die Resistenzuntersuchungen nicht kennen oder nicht wissen, wie sie durchgeführt werden. Der Preis für die Tests war nur bei sehr wenigen ein Hinderungsgrund. Beim Thema Wirkstoffmanagement beantworten immerhin 75 % der Landwirte die Frage, ob sie die Auswahl der Wirkstoffe an die Fruchtfolge anpassen mit: »Ja, ich achte auf den Wechsel der Wirkstoffklassen.« Und ebenfalls 75 % der Befragten geben an, die HRAC-Einstufung der eingesetzten Herbizide zu kennen.

**ACCase-Hemmer und ALS-Hemmer: Wirkung nimmt ab – Alternativen fehlen.** Aus der Gruppe der ACCase-Hemmer sind vor allem die vier Wirkstoffe Clethodim (z. B. in Select 240 EC, VextaDim 240 EC), Cycloxydim (Focus Ultra), Clodinafop (z. B. in Sword 240 EC) und Pinoxaden (Axial 50) von Bedeutung. In Raps, Zuckerrüben, Leguminosen und Kartoffeln stehen mit Cycloxydim und Clethodim aus der Gruppe der ACCase-Hemmer nur wenige wirksame Alternativen zur Verfügung. Clethodim gewinnt zwar an Bedeutung, doch echte Rotationsmöglichkeiten bestehen kaum. Im Getreide bleibt Pinoxaden zentral – trotz zunehmend eingeschränkter Wirksamkeit.

Ähnlich verhält es sich bei den ALS-Hemmern – die Wirkungsgrade gräserwirksamer ALS-Hemmer sind rückläufig, Alternativen aber kaum vorhanden. Thiencarbazone gewinnt im Mais an Bedeutung, könnte aber bei einem Wegfall von Flufenacet zusätzlich belastet werden. Da der Wirkstoff außerdem in weiteren Kulturen Anwendung findet, entsteht ein wachsender Selektionsdruck. Ein nachhaltiges Resistenzmanagement erfordert Vielfalt – die Wirkstoffverfügbarkeit führt jedoch zunehmend zu Einseitigkeit.

Fazit
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Die Umsetzung integrierter Maßnahmen im Ackerbau stößt nicht nur auf betriebliche, sondern auch auf strukturelle und marktbedingte Hürden. Eine Erweiterung der Fruchtfolge ist nur dann auf Dauer realistisch, wenn wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Verzehrgewohnheiten der Verbraucher den Absatz alternativer Kulturen sichern. Das Wirkstoffmanagement erreicht zunehmend seine Grenzen, da mehrere Schlüsselwirkstoffe unter Druck stehen und Alternativen fehlen. Ökonomische Faktoren sind integraler Bestandteil der Entscheidungsfindung und müssen im Integrierten Pflanzenbau stärker berücksichtigt werden.

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