Wie weiter mit dem Weizenpreis?

 

Herr Vogel, seit Januar treten die Getreidepreise auf der Stelle. Wie geht es weiter?

Mit einer starken Preissteigerung rechnen wir derzeit nicht. Für die Preise in der EU wird die weitere Entwicklung des Euro extrem wichtig sein und der ist aufgrund der bevorstehenen Wahlen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden extrem schwer einzuschätzen. Die fundamentale Seite wird durch hohe globale Bestände geprägt, nachdem 2016 in fast allen wichtigen Exportregionen, mit Ausnahme der EU, sehr gute Ernten eingefahren wurden. In der EU hingegen schrumpfen nach der schlechten Ernte in Frankreich die Bestände.

Können Auswinterungsschäden in Osteuropa das Blatt noch wenden?

Die Schäden bisher sollten überschaubar sein, aber bis in den März hinein könnten Schäden auftreten. Im Moment müssen wir jedoch davon ausgehen, dass die Weizenflächen in der EU und in Russland nahezu unverändert bleiben und in der Ukraine sogar höher sind.

Seit ein paar Jahren steigen die Erträge weltweit. Ist das nur günstiges Wetter?

Ja, ein großer Teil der sehr guten Erträge im Schwarzmeerraum, in Kanada und Australien war wetterbedingt. Die Erträge steigen langfristig nur um 1 bis 1,5 % pro Jahr. Was für die Ernte 2017
– normals Wetter und Erträge unterstellt
– bedeutet, dass wir für die sieben großen Exporteure in Summe eine um rund 6 % kleinere Weizenernte erwarten. Lediglich in Argentinien und in der EU rechnen wir mit einen Anstieg. Der wird jedoch nicht ausreichen, um die kleineren Ernten der anderen wichtigen Exportländer auszugleichen.

 

 

 

Stefan Vogel, Rabobank